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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Doch wir wußten, daß wir sie damit nicht verallgemeinerten oder verkitschten. Es war nur das notwendige Übergangs­gespräch.

Denn nicht nur an mir hatten die Monate gezehrt. Es war erschreckend, wie meine Frau aussah! Spindeldürr, ätherisch zart, leidend die Züge, wenn sie auch jetzt vom Erleben erster Wiedersehensfreude eine Frische verriet, die nicht ihrer Ge­sundheit entsprach. Ja, wenn man uns gegenübergestellt und einen Unwissenden gefragt hätte, wer von uns beiden im KZ­Lager war, so wäre trotz meiner eigenen Verfassung auf meine Frau gedeutet worden.

Aber die Flut der Gespräche wogte über unser beidersei­tiges Erleben, leicht beschwingt, als hätten unzählige kleine Nebensächlichkeiten die Zeit der Trennung erfüllt.

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Dann kamen wir auf das Nachtquartier zu sprechen. ,, Wir haben nur ein Zimmer!" Lautes Gelächter. ,, In Krakau ist nichts zu finden!" ,, Ja, es stehen aber zwei Betten im Zim­mer." ,, Höchst einfach, die werden auseinandergestellt und das Ehepaar liegt im einen, die Anstandsdame im anderen. Denn heute müßt Ihr anständig sein", lächelte die Stuttgar­terin zweideutig.

Nochmals bei Transfeld.

Am nächsten Morgen ging es mit einer kleinen polnischen Droschke zu den Tuchhallen, zur Marienkirche. Der große Dom, das erhabene Bauwerk, das Ehrfurcht gebietende, schöne Gottesgebäude, ließ uns ganz kurz Dank sagen. Wir nahmen das Frühstück. Auf Krakaus schönstem Platz, in einem Kaf­feehaus in den altehrwürdigen Tuchhallen, stärkten wir uns leiblich, bis es dann an der Zeit war

Auf das Surren des elektrischen Knopfes öffnete sich das Pförtnerfenster. Ich zeigte dem Gestapobeamten meinen Schein, die doppelte Pforte öffnete sich. Ich ging hinauf in das gleiche

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