chen werde, ausgleichen durch den, der alles weiß und alles zum Besten fügt?
Die Zukunft wird es lehren, dachte ich. Dann kam auch ich an die Reihe zusammen mit den Verbindern, den traurigen Elendsgestalten, die ihre Gaze- und Mullverbände, ihre Tücher und Fetzen, ihre wochenlang anhaftenden Pflaster von den Wunden lösten. Alle ekelerregend, stinkend, hier, wo keiner mehr weiß, was Hygiene und wirkliche Pflege ist. Mit ihnen zusammen durfte ich das letzte Mal duschen. Wohlgemerkt: ich durfte, denn es soll mir ins Herz geschrieben bleiben, was die dort noch weiter durchmachten, während ich rausdurfte, raus, in wenigen Stunden schon als freier Mensch mich bewegend!
Dann kam ich auf den Block zurück. Franz wollte es nicht glauben, daß ich nun von ihm ginge. Der abgeklärte und doch immer aufgeregte Franz, das gute Herz des Blocks, auch er gab mir seine Anschrift. Bündelchen und Kleidungsstücke wurden verpackt, letzte Lebensmittel aus den Päckchen meiner Frau, eisern Erspartes, an Hungrige verschenkt, selbst aber achtsam das Nötigste mitgenommen. Immer wieder der Gedanke: was wird?
Man ist im KZ niemals sicher. Mag die Entlassung auch schon ausgesprochen sein, kann es doch noch passieren, daß es anders kommt. So spielte für mich die Kuhlé Brot die gleiche Rolle, wie all die vierzehn Monate. Sorgsam wurde es verpackt, das Stück Brot! Und doch bricht schon wieder in mir das Gefühl kommender Freiheit durch, es jauchzt zwar nicht, aber leise klingt es in mir an wie ein fernes Singen. Ich muß noch einmal auf einen anderen Block. Da liegen beim Küchenblock die Futterrübenberge und zwei Zebras mit Knüppeln halten Wache, daß keiner es wage, auch nur zu nahe zu treten. Unbestechlich würden sie über diesen herfallen. Aber niemals vorher bin ich den Futterrüben so nahegetreten, ohne jetzt auch nur den geringsten Verdacht zu erregen.
Und dann sammeln wir uns am Tore, die zur Entlassung, zur Überführung Bereitstehenden. Dieses Mal ist es ein
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