freundlich sich gebärdender SS, der uns zu bewachen hat. ..Ihr müßt noch einmal auf einen Block, aber zusammenbleiben, es geht erst in einigen Stunden fort. Der Lagerkommandant ist noch nicht da. Er muß Euch noch sprechen, bevor Ihr rauskommt."
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Warum? Noch einmal geht es über den großen Platz, ich lese die Lettern: Es gibt nur einen Weg zur Freiheit, seine Meilensteine heißen: Ich lese nur die Worte .. Wahrhaftigkeit Mut" bleiben haften. Dann sind wir schon drüben. Auf irgendeinem Block wartet man. Durch eine harte Menschenstimme gestört, schrecke ich zurück aus Traumtoren, die sich mir geöffnet hatten in Gedanken an Wahrheit und Wirklichkeit.
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,, Jetzt geht es zum Lagerführer!", heißt es. Ist alles vollzählig? Habt Ihr Eure Klamotten beisammen?" Wir hatten alles, waren vollzählig. Hinauf zum Lagerführer in das Kommandohaus! Wiederum warten.
Der Lagerführer Kolb, SS- Obersturmbannführer, der immer seinen Ukrainerjungen eine Tafel Schokolade überreichte, um seine Leutseligkeit zu beweisen, es sich aber nicht nehmen ließ, Stockschläge mit eigener Hand zu vollziehen, wenn es ihm paẞte, der Herr Lagerführer ließ es sich auch heute nicht nehmen, uns eine Abschiedsrede zu halten:
,, Wenn Ihr jetzt wieder rauskommt und in die Freiheit gesetzt werdet, so bedenkt immer eines: daß es nicht Euer Verdienst ist, wenn wir Gnade vor Recht ergehen lassen! Bedenkt immer, daß Ihr nur durch unsere Güte wieder zu den Euren nach Hause zurückkehren dürft. Bei den meisten ist es ja so, daß sie in die Arme der Wehrmacht aufgenommen werden, und da kann ich Euch für Euren künftigen Lebensweg nur einen Rat erteilen: das Maul halten! Ihr wart Schutzhäftlinge, Ihr wart also zu Eurem eigenen Schutze hier untergebracht und keiner von Euch kann sich wohl beklagen, daß es ihm jemals schlecht gegangen sei hier im Lager! Hat es doch einmal da und dort etwas gegeben, so war das nur Rauferei unter Euch selber oder bedingte Selbsterziehung, und da wir ja keine Memmen sind, sondern ganze Kerle, spielt
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