Weise herauszukommen. Das können nur in ganz vereinzelten, glücklich gelagerten Fällen hartgesottene Naturen und so ein echtes Frankfurter Kind.
Wieder ein anderer war ein Kriegsdienstverweigerer leichteren Grades, der nun Soldat werden sollte. Ich forschte, ob es ihm wirklich ernst darum sei. ,, Nein, aus dem Lager will ich!", war die nicht schwer entwundene Antwort.
Während wir beim Duschraum stundenlang warten mußten, begegnete mir noch ein kleiner Zwischenfall im Lager, der mich innerlich noch manchmal beschäftigte. Ich wurde hinüber in die Effektenkammer gerufen, dort zeigte mir der SS - Scharführer Timmer ein Arsenal schöner Kleidungsstücke aller Art: Hüte, Mäntel, Anzüge lagen dort ausgebreitet.
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Wenn Ihnen etwas nicht paẞt, so gehen wir noch auf den Lagerblock, dort ist viel mehr von dem Zeug. Sie können sich aussuchen, was Sie wollen und benötigen, aber eines müssen Sie mir versprechen...."
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Ich stutte. Der fette, große Kerl, dem es in all diesen Jahren nie schlecht gegangen war, dem es nur um seine Haut bangte, den nur materiellé Interessen trieben, verlangte von mir, ich sollte ihm, da ich ja nun wieder nach Polen käme, Wodka senden. Wodka, einige Flaschen Wodka, und mir stände alles, was mein Herz an Kleidern begehrte, offen. Mein Entschluß war im Bruchteil einer Sekunde gefaßt.
Ich handelte danach. Auf dem Transport waren mir ja ein Mantel, Anzug, Hemden, Schuhe, was mir meine Frau in den Koffer an warmen Wintersachen eingepackt und in das Untersuchungsgefängnis von Monte Lupich in Krakau gesandt hatte, abhanden gekommen. Und so entschied ich mich, guten Gewissens das anzunehmen, was mir abhanden gekommen war, niemals aber dem Satan in Menschengestalt den Wodka zu senden. Fast haargenau das gleiche, was mir fehlte, fiel mir nun zu. So schloß sich auch hier der Ring vollends. Und war das nun ein Vorzeichen dafür, daß sich auch all das, was man durchzumachen und zu ertragen gehabt hatte, wieder ausglei
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