spielsweise Bibelforscher noch weit weniger schreiben, als es die allgemeine Lagerordnung erlaubte, und auch der größte Teil der Ausländer hatte nur ganz selten Gelegenheit zum Schreiben, sofern die Länder überhaupt postalisch zugänglich waren.
Wenn vielleicht auch zu der Einwohnerschaft von Oranien- burg etwas mehr als in die entferntere Umgebung durch- . drang, was alles im Lager vor sich ging, wie die ganze grauen- hafte Mordmaschine spielte, so kann man hier zur Ehre der Bevölkerung sagen, daß sie ihre Sympathie auch in den Zeiten absoluten Gestapoterrors offenkundig zum Ausdruck brachte und es ist anzunehmen, daß der deutsche Mensch, wenn er allgemein gewußt hätte, was in den Lagern vor sich ging, auch an anderen Orten, wohin die Wahrheit nur weniger drang, wohl auch den entsprechenden Mut zum Widerspruch auf- gebracht hätte, so sich ihm passende Gelegenheit geboten hätte.
Man hatte nämlich, wie mir erinnerlich ist, ein einziges Mal, anläßlich einer Sportveranstaltung, oder war es sonst ein taktisches Manöver, um vielleicht dadurch zu zeigen, ‚„‚wie gut es denen im Lager ginge“, die Zebraleute mit der Lager- kapelle durch das Städtchen ziehen lassen und beim Ertönen
der Blasinstrumente wurden sie von der Bevölkerung um- jubelt.
So waren die Frauen der SS!
Anders dagegen äußerte sich die anmaßende,: skrupellose Gesinnung der SS -Familien, die an der Peripherie des Ortes ihre Einfamilienhäuser besaßen und dort ihr sattes Wohl- leben führten. Es wurden nämlich vielfach Häftlinge mit Auf- trägen der Blockführer oder Verwaltungsbeamten ausgeschickt, anstatt in ihren Kommandos für persönliche Zwecke in die- sen SS -Heimen zu arbeiten und besonders handwerkliche Dienstleistungen zu verrichten. Nichts wurde den Häftlingen dort erleichtert; sie bekamen nur den Ingrimm und die ge-
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