Tauschangebote unterbreiten können, um nur einmal Tinte und Feder leihweise zu erlangen oder gar als eigenen Besitz erwerben zu können. Was war es für ein Kampf, das erste Mal, ohne Konto und noch fremd im Lager, mißtrauisch von allen Seiten betrachtet, ohne Kumpel und Gefährten, die paar Pfennige von einem anderen Konto überschrieben zu bekommen, um materiell in der Lage zu sein, seinen Brief schreiben zu können!
Nach längerem Aufenthalt im Lager boten sich freilich hierin keine Schwierigkeiten mehr, denn jeder war bereit, einzuspringen und man hatte selber immer 15 bis 20 Briefschreiber am Bändel, denen man aushalf. Aber es ist eben so: am Anfang ist man neu und unter Neuen, von denen jeder selbst in der gleichen Lage ist. Irgendwelche Fürsorge von seiten der Lagerleitung gab es natürlich nicht.
Und dann die Einschränkungen des Inhalts! Weder über die meisten persönlichen Angelegenheiten, noch über das Leben und Treiben im Lager, noch über den eigenen Fall und natürlich auch nichts über Politik und viele andere Punkte durfte geschrieben werden. Die Briefe wurden erst von den Blockältesten geprüft und gingen dann an die Zensurstelle. Natürlich durfte auch kein Wort über die Verpflegung geschrieben werden, damit ja nicht der Anschein erweckt werden könnte, man habe vielleicht Hunger im Lager!
Alle diese Beschneidungen in dem ganzen Schriftwechsel nahmen natürlich manch einem schwerfälligen Briefschreiber von vornherein alle Lust, einen Brief zu verfertigen. Einen Brief nämlich, der den hohen Herren von der SS genehm war! Und hatte man nun seine Epistel verfertigt, so kam es dennoch bei einem Großteil der Blockpost vor, daß sie wieder zurückkam. Der Brief, durchrissen und mit Blau- und Rotstift durchgestrichen, besagte, daß die Post den Herren also doch nicht genehm war.
Das Schlimmste war, daß dann der Angehörige ohne eine Nachricht blieb, also mindestens schon vier Wochen keine Post bekam. So degradierte man den Inhalt der 15 Zeilen zu
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