In derselben Zeit, in der mein Freund Alfred an einem Ekzem litt, hatte ich mit einer Furunkulose zu tun. Zum ersten Mal in meinem Leben wucherten auch auf meinem Körper diese Eitergebilde, aber nicht nur an den bloßen Stellen des Körpers, sondern auch in der Nähe der Drüsen unter den Armen quälte mich diese Krankheit. Den Gedanken, ins Revier zu gehen, wies ich von mir, doch mußte ich mich zu einer Behandlung entscheiden. Es geschah mit Salben und Mittelchen, doch der Nacken wurde nicht frei. Es war jedesmal ein schauriges Bild, das sich im Revier bot. Schließlich aber hatte sich auch bei mir die Krankheit so gesteigert, daß man zu einer Schweißdrüsenoperation greifen mußte.
Meiner Freundschaft mit Alfred allein hatte ich es zu verdanken, an einen Häftlingsarzt, einen polnischen Chirurgen, zu geraten, der mit vorzüglicher Fachkenntnis zu Werke ging und mir das Schwerste ersparte: im Revier liegen zu müssen. So lief ich denn mit abgestüztem Arm im Lager herum und versäumte keine Stunde an meinem Arbeitsplatz, den ich um keinen Preis verlieren mochte. So quälte ich mich durch, schon stark geschwächt durch das verunreinigte Blut, die Unterernährung, das Nachlassen der Widerstandskräfte des Körpers, den dauernden Durchfall und die immer wieder anfallenden Erkältungen, durch die langen Dienststunden in der Häftlingskasse, die sehr oft die Nacht über fortgesetzt wurden, wenn wieder Massentransporte ins Lager kamen, so daß der fehlende Schlaf auch noch die letzten Kräfte verzehrte.
Ein neuer Aufwand innerer Anstrengungen war erforderlich; geschöpft wurde diese Kraft aus der Liebe zu meiner treuumsorgenden Frau, aus der Fülle meiner Einfälle, mich mit ihren Briefen zu ermutigen, und aus dem Born der Freundschaft zu Alfred, der mir hier auch wieder den richtigen Tip gab. ,, Du mußt Dir Lebertran verschaffen", sagte er, und er wußte Rat, wie dies anzustellen sei.
Im Lager gab es Norweger - Blocks. Diese Blocks genossen immerhin ein gewisses Vorrecht vor den übrigen. Es konnte
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