Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen

den Norwegern auf Grund bestimmter Abmachungen mit dem Roten Kreuz nicht vorenthalten werden, Sendungen in Emp­fang zu nehmen, und so gab es dort ansehnliche Lebensmittel­zuteilungen, die diese aus ihrer geliebten Heimat empfingen. Überhaupt ließ man merkwürdigerweise diese Norweger nicht in die schrecklichsten Unterstufungen des Lagers und seiner Außenstellen kommen, sondern behandelte sie etwas sichtiger.

Mir war wichtig, zu diesem Lebertran zu kommen. Da kam mir ein weiterer Zufall zu Hilfe. In unsere Häftlingskammer wurde auch ein Norweger eingestellt. Dieser war Journalist und er verband sich freundschaftlich mit uns. Ich brachte ihm mein Anliegen vor und er begann eine kleine Aktion, um mich auf diese Weise vor dem körperlichen Zusammenbruch zu bewahren. In wenigen Tagen brachte er es fertig, mir einen Liter von diesem wertvollen Heilmittel zu beschaffen, das ich nun künftig löffelweise jeden Morgen und Abend ein­nahm. Ich merkte zusehends die Besserung und es blieb nicht bei dem hin und wieder beschafften Lebertran, sondern er besorgte auch für unser Kommando norwegische Heringe und das war dann ein großes Fest für uns.

Im Lager war die Intelligenz Norwegens versammelt: Pro­fessoren und Doktoren aller Fakultäten, Künstler und Jour­nalisten von Ruf und Rang. Im großen und ganzen lebten die Norweger für sich abgeschlossen und bildeten eine Sonder­gruppe. Man sah nur von früheren Zugängen Stammende oder aus anderen Lagern Kommende, die den gleichen Grad äußerlichen Heruntergekommenseins an sich hatten, wie die meisten übrigen Insassen des allgemeinen Lagers. Ihre kraft­volle Konstitution, ihre gesunden Körper hielten daher den Anfechtungen des Lagers länger stand als die der anderen. Und trotzdem war auch bei ihnen die Sterblichkeit groß, unglaublich groß, gemessen an den Vorteilen, die man ihnen im allgemeinen gab.

Ich weiß, welche Bemühungen von außen her immer wie­der gerade für die Norweger unternommen wurden. Unter irgendwelchen Vorwänden drangen die um wirkliche Fürsorge Bemühten sogar bis zu der SS- Häftlingskasse vor, und nicht nur, daß man sich um einen Einzelnen von seiten eines Konsula­tes, von seiten einer Bank oder einer sonstigen Verbindungs­

95