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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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daß diese Beigabe die Gesundheit nicht förderte, sondern im stärksten Maße untergrub.

Wenn kleine Utensilien hin und wieder zu teuren Preisen verkauft wurden, so waren es Beutewaren, Gegenstände, die hier für die SS - Aktiengesellschaften in klingende Münze ver­wandelt wurden. Und doch, bei jedem Einkauf standen hung­rige Gesichter, bettelnde Figuren abseits, um etwas zu erhei­schen von den Glücklichen, die kaufen konnten, die ein lau­fendes Konto besaßen und sich der Illusion hingeben durf­ten, besser gestellt zu sein, als die anderen Elenden.

Man kann sich nicht vorstellen, welche Riesensummen auf diese Weise umgesetzt wurden, wie förmlich aus Dreck und Abfall Tausendmarkscheine und 30-40.000- Mark- Umsätze im Handumdrehen gemacht wurden, buchstäblich im Handumdre­hen, denn es bedurfte nur eines Anrufes des Herrn Unter­sturmführers der Kassenverwaltung: Wir brauchen Geld, heute findet Kantinenverkauf statt!""

Vom Empfang der Ware bis zum Transport und Detailver­kauf, vom Einrichten der Konten bis zur direkten Auszah­lung der blanken Summen an die SS - Verwaltung geschah ja alles durch die Arbeitskräfte und Organisation der Häftlinge selber und es wurden nur die Gelder eingestrichen. So er­staunlich primitiv im Denken, so raffiniert war auch hier wie­der die Methode des Geldeinstreichens. Daß hier ein geregel­ter, bis auf den letzten Heller genau durchgeführter Plan ver­folgt wurde, braucht eigentlich keine Erwähnung zu finden. Depression und Schweigsamkeit waren immer wieder die Aus­wirkung davon, wenn man sich das Ganze betrachtete.

Viele meinten, es läge wieder etwas in der Luft, ein neuer Kommandant käme; Gerüchte kursierten, aber in Wirklich­keit war es wie ein Symptom von Massendepression, von Mas­senwahnsinn, der alle Gemüter zu bedrohen schien. Es war dann die Zeit, wo auch die eifrigen Debatten ausblieben und man vor den Blocks weniger Häuflein und Gruppen sich bil­den sah, daß jeder, vergrämt mit sich selbst, den anderen mied und eine nervöse Hochspannung im ganzen Lager um sich griff, die oft Tage währte und nur durch bedeutendere Ereignisse abgelöst wurde.

Es gab mehrfach Menschen, die schon in den Draht gelau­fen waren, in Wahnsinnsanfällen und sonderbarsten Gemüts­erregungen immer wieder den Tod suchten, der sie nicht er­

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