Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
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Die Kantine.

Heute gab es im Block Kantineneinkauf. Verlockend sieht es aus, wenn hier ein großes Faß angerollt wird, Quarkkäse enthaltend, wenn dort lange, rote Würste säuberlich aus­gestellt und wenn Pakete mit Tabak gestapelt werden. Gibt dann der Block älteste bekannt, daß der Einkauf beginnen könne, es gäbe heute auch extrafeinen Muschelsalat, da fällt jeder wieder darauf hinein und die Kauflustigen stürzen sich mit Gier an den Tisch des Blockältesten, der sie dann in Reihe aufstellen läßt. Bekommt man dann endlich seine Be­scherung, dann ist es ein Quark voller Maden, dem eine undefinierbare Essenz beigemischt ist, um den fauligen Ge­ruch wenigstens etwas zu überdecken, oder ein schimmliger Mahorkatabak und das Ende vom Liede eine jeder Beschrei­bung spottende Belastung des Kontos der Häftlinge für Waren, deren Verkauf das Gesundheitsamt und die Nah­rungsmittelprüfstelle mit schweren Strafen geahndet hätten. Bauchschmerzen mit Erbrechen waren meist das Resultat der gierigen Verschlingung des eben erst Erstandenen und Kopf­schmerzen das Ergebnis des Genusses dieser Rauchwaren.

Es ist mir als in der Häftlingskasse Beschäftigtem nur zu bekannt gewesen, daß, wenn die SS - Kasse Geld notwendig hatte, diese Abfallprodukte in großen Mengen an die Kan­tine abgegeben wurden. Systematisch wurden diese verdorbe­nen Wirtschaftsgüter von irgendwelchen Stellen eingesammelt und mit Hochdruck der Verkauf über die Kantine betrieben, um Geld zu machen. Lediglich eine bestimmte Art von Rüben­salat, den die Häftlinge selbst herstellten und dessen Roh­produkte wiederum der Häftlingsnahrung entzogen wurden, konnte als einigermaßen genießbar angesehen werden. Dieser wurde aber genau so durch die SS- Häftlingskasse zu hohen Preisen umgesetzt und damit ungeheuerliche Verdienste aus den Guthaben der Häftlinge geschöpft.

Die schönen, roten Würste, die für jeden so verlockend aus­sahen, enthielten nichts als rote Rüben, Kartoffeln und ein synthetisches Gewürz, wurden aber zu Preisen weit höher als Wurstwaren ersten Ranges verkauft. Es war tatsächlich so,

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