Die Kantine.
Heute gab es im Block Kantineneinkauf. Verlockend sieht es aus, wenn hier ein großes Faß angerollt wird, Quarkkäse enthaltend, wenn dort lange, rote Würste säuberlich ausgestellt und wenn Pakete mit Tabak gestapelt werden. Gibt dann der Block älteste bekannt, daß der Einkauf beginnen könne, es gäbe heute auch extrafeinen Muschelsalat, da fällt jeder wieder darauf hinein und die Kauflustigen stürzen sich mit Gier an den Tisch des Blockältesten, der sie dann in Reihe aufstellen läßt. Bekommt man dann endlich seine Bescherung, dann ist es ein Quark voller Maden, dem eine undefinierbare Essenz beigemischt ist, um den fauligen Geruch wenigstens etwas zu überdecken, oder ein schimmliger Mahorkatabak und das Ende vom Liede eine jeder Beschreibung spottende Belastung des Kontos der Häftlinge für Waren, deren Verkauf das Gesundheitsamt und die Nahrungsmittelprüfstelle mit schweren Strafen geahndet hätten. Bauchschmerzen mit Erbrechen waren meist das Resultat der gierigen Verschlingung des eben erst Erstandenen und Kopfschmerzen das Ergebnis des Genusses dieser Rauchwaren.
Es ist mir als in der Häftlingskasse Beschäftigtem nur zu bekannt gewesen, daß, wenn die SS - Kasse Geld notwendig hatte, diese Abfallprodukte in großen Mengen an die Kantine abgegeben wurden. Systematisch wurden diese verdorbenen Wirtschaftsgüter von irgendwelchen Stellen eingesammelt und mit Hochdruck der Verkauf über die Kantine betrieben, um Geld zu machen. Lediglich eine bestimmte Art von Rübensalat, den die Häftlinge selbst herstellten und dessen Rohprodukte wiederum der Häftlingsnahrung entzogen wurden, konnte als einigermaßen genießbar angesehen werden. Dieser wurde aber genau so durch die SS- Häftlingskasse zu hohen Preisen umgesetzt und damit ungeheuerliche Verdienste aus den Guthaben der Häftlinge geschöpft.
Die schönen, roten Würste, die für jeden so verlockend aussahen, enthielten nichts als rote Rüben, Kartoffeln und ein synthetisches Gewürz, wurden aber zu Preisen weit höher als Wurstwaren ersten Ranges verkauft. Es war tatsächlich so,
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