Es hatte sich herumgesprochen, daß im Lager Homosexuelle seien, und nun wurden ganze Paare der angeblich Männlein und Weiblein spielenden Häftlinge entlarvt.
Man hatte festgestellt, daß sich die sogenannten Frauen mit Büstenhaltern und anderen Dessous behingen und sich mit den Männern in Verstecken ihrer Lust hingaben; nun folgte die Bestrafung für die vom Lager selbst eingerichtete Vergnügungsstätte.
Die Opfer waren meist ahnungslose junge Menschen, die Täter waren durch lange, lange Jahre in falsche Bahnen gelenkte, stark sexuelle Triebmenschen, die einen Ausweg suchten. Die wirklichen Verbrecher dabei waren die SS - Menschen, die sich noch ein ergötzliches Spiel aus dem Leid der Menschen machten und die auf diese Weise gesuchten und gefundenen Opfer verrieten und bestraften.
Kein sonderbarer Zufall war es, daß der Vorschlag von einem SS kam, der selber Häftling war und als Häftlingsältester seinerzeit figurierte. Als dieses ganze Spiel seine höchsten Blüten trieb, dem das Ende folgte, stellte sich gleichzeitig eine großangelegte Korruption heraus, die dieser SSHäftling zusammen mit den SS - Beamten des Lagers angestellt hatte.
Das Lederkommando entdeckt Schätze.
Dieser Lagerälteste Ludwig hatte natürlich Zutritt zu allen Kommandos und so auch zur Abteilung, die die Kleider der verstorbenen Häftlinge auf ihre weitere Brauchbarkeit bearbeitete, und zu den sogenannten Ledertrennern, die die Schuhe auseinanderschnitten. Dieses Kommando, das an sich unter strenger Aufsicht arbeitete, brachte große Schätze an Banknoten aller Herren Länder, an Münzen in Gold und Silber, an Edelsteinen und sonstigen Pretiosen zutage, die man in den Tausenden und Abertausenden von Kleidern und Schuhen eingenäht und eingearbeitet fand. Notgelder und Notgroschen der Ausländer und Juden, die damit ihre letzte Habe
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