Es stellte sich auch heraus, daß keiner der Häftlinge durch das Bombensuchkommando die versprochenen Vergünstigungen erhielt, keiner, der mitgeholfen hatte, mehr als zehn Blindgänger zu entfernen und oft dabei gewesen sein mag, wenn um ihn herum die anderen Kumpel von den krepierenden Geschossen zerstückelt wurden, die Freiheit erhielt.
Schreiben konnten die meisten Ausländer sowieso nicht, und so hatte das ganze Gefasel von den Vergünstigungen keinen Sinn für sie. Die Bombensuchkommandos wurden auch künftighin nicht auf freiwilliger Basis, sondern zwangsweise zusammengestellt. Eines aber blieb beim alten, die große Zahl der Toten! Blutjunge, herzensgute Kerle, die den Block angenehm bevölkerten, Ukrainer , Franzosen, Polen ließen dabei ihr Leben, das so leichtsinnig aufs Spiel gesetzt wurde.
Kabarett des Todes.
Alle Neuerungen hatten stets einen Pferdefuß, hatten immer den leibhaftigen Teufel im Gefolge. So wurde auch eines schönen Tages verbreitet, daß im KZ zur Aufmunterung der Menschen ein Kabarett stattfinden würde. Und tatsächlich stieg eines Sonntagnachmittags an derselben Stelle, wo sonst das gefürchtete Gebälk des Galgens aufgerichtet wurde, das Gestell eines Podiums, einer kleinen Bühne auf.
Es traten vor dem versammelten Lager Frauen auf, Tänzerinnen, kokette, lusterregende Weiblichkeiten, die sich in langer Reihenfolge, entsprechend einem reichhaltigen Varietéprogramm, zur Schau stellten.
Hier eine Spanierin in Volkstracht, dort eine bunte Ukrainerin mit einem schönen Kopftuch, dann wieder eine elegante Mondäne usw. Doch alle diese Weiblichkeiten, so echt sie wirkten, waren keine Frauen, sondern Häftlinge aus dem Lager, die hier ihr Schauspielertalent zeigten. Tage darauf fand man einen Großteil bei dem zur Bestrafung angesetzten Torstehen.
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