Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Auf dem Block war inzwischen wieder viel vorgefallen. An einem Tage allein vier Tote beim sogenannten Minensuch­und Sprengkommando! Man hatte bei den Aufräumungsarbei­ten in Groß- Berlin spezielle Häftlingskommandos aus dem KZ für den Abtransport und die Sprengung von Blindgän­gern aufgestellt. Die dazu beigegebenen Feuerwehrleute hat­ten nur ganz oberflächlich den Häftlingen Anweisung für die Handhabung von solchen Blindgängern gegeben und sich dann selbst in irgendwelche Lokale verdrückt. Nicht aber ohne vorher zu verlangen, daß die Entfernung der Blindgänger zu befristeter Zeit erfolgt sein mußte. Natürlich sind die Bom­ben explodiert und jeden Tag gab es viele Tote.

Es wurde dann bei einem Appell das Entfernen der Blind­gänger angeblich, wie so schön gesagt wurde,, reformiert" und die Häftlinge sollten keine Unruhe mehr bei diesem Kom­mando, das künftig ein Ehrenkommando sei, haben. Es wurde den Häftlingen in Aussicht gestellt, sogenannte ,, Ehren­häftlinge innerhalb des KZ- Lagers zu werden, wenn sie sich zum Bombensuchkommando meldeten. Ehrenhäftling be­deutete: Öfter und ausführlicher nach Hause schreiben dür­fen, freie Wahl des Arbeitskommandos und nach Entfernung des zehnten Blindgängers in Aussicht gestellte Entlassung aus dem KZ.

Mir erschien das ungeheuer verlockend. Nach Hause schrei­ben dürfen, vielleicht gar einen freien, echten, wirklichen Brief und Aussicht auf Entlassung!

Kurz entschlossen meldete ich mich zum Bombensuchkom­mando. Ich bekam eine Absage. Der Lagerkommandant hätte mich gestrichen.

Nicht daß ich mich damit innerlich mehr belastete, aber es war der Versuch, alles zu tun, was in meiner Macht lag, um meiner Frau den ersehnten wirklichen Brief schreiben zu kön­nen und um immer wieder den Kampf um die Freiheit auf­zunehmen!

Wiederum war es die Methode, die mich aufbrachte. Ich merkte genau, daß man solche Häftlinge, die in wichtigen Kommandos arbeiteten, von der Liste strich; später wurden überhaupt nur noch Ausländer und keine Deutschen mehr für dieses Kommando genommen. Auch hier eine bewußte Politik mit dem Morden.

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