Im Lager wußten sie, daß der Häftling aus einer Miete Kartoffeln organisieren wollte, dadurch von seinem Kommando abgekommen war und dann durch Hunde aus dem Zwinger gesucht und von diesen zerfleischt wurde.
In den Tagen nach der Rückkehr bemühte ich mich, meinen Freund Otto wieder zu entdecken. Er war mir durch das Klinkerkommando und die vielen Möglichkeiten gänzlichen Sichverlierens in der großen Lagerstadt ganz außer Sicht geraten. Aus den Büchern der Häftlingskammer und auf der Schreibstube stellte ich dann fest, daß Otto im Revier lag, also krank war. Ich mußte sofort an sein schweres Bruchleiden denken. Also war er doch unterlegen, war er auch ein Opfer und sein baldiger Tod schien mir gewiß.
Ich suchte ihn auf. Er lag in dem grauenhaften Elend unter vielen Todgeweihten, aber er erkannte mich gleich wieder und das freute mich.
,, Ich habe Glück gehabt. Meine Operation hat ein Häftlingsarzt gemacht, mit dem ich mich vorher besprechen konnte. Er ist Ostmärker, ein dufter Kerl. Und weißt Du, was er mir versprochen hat? Er will bei der Lagerleitung vorstellig werden und dort mein Leiden noch schlimmer hinstellen, als es ist. Als Arzt und langjähriger Häftling kann er das, und manchmal werden Häftlinge entlassen, wenn ihre Tage sowieso gezählt sind. Auf diese Tour will er es drehen, daß ich rauskomme. Außerdem läuft von draußen her ein Gesuch eines Militärs und auch die Sache scheint von Aussicht. Nimm mir nicht übel, wenn ich mich kränker stelle, als ich bin, das Liegen bekommt mir und die Hoffnung auf Freiheit tut ihr Übriges. Dann werde ich mich auch um Dich bekümmern, vor allem Deiner Frau Elisabeth Bescheid geben. Du mußt mir dann noch alles sagen, was Du auf dem Herzen hast. Vielleicht kann sich auch für Dich etwas zu Deinen Gunsten ergeben." Mit einem kurzen Händedruck schieden wir.
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