Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen

die einen Block weiter liegt, und dem Lagerbaubüro. Meine blutdurchtränkte, mit Lehm und Graphit verfilzte Lagerklei- dung, meine wunden Hände, mein übernervöses Aufzucken bei jeder Gelegenheit, mein ganzes Gehabe wollte sich nicht in dieses kleine Kommando einfügen, obwohl ich mich be- harrlich bemühte und alles drangab, mich durchzusegen.

Zunächst wurden sogenannte Postblocks geschrieben. Das waren die eingelaufenen Gelder für Häftlinge, die hier wie in einem selbständigen Postamt behandelt wurden. Arthur war der strenge Kassenleiter, während der SS-Oberscharführer nur die Aufsicht innehatte. Es war ein Wettlauf um die Schnelligkeit, so wurde geschrieben, addiert, sortiert, fein und grob nach Häftlingsnummern in Reihenfolge gestapelt, die Postanweisungsabschnitte abgetrennt, die einzelnen Abschnitte nach der Zugehörigkeit zu den einzelnen Blocks in einzelne Tüten gepackt und an diese abgegeben, so daß die Block- ältesten über eingelaufene Zahlungen informiert waren.

Das Verfahren war so ausgedacht, daß viele von den tau- senden Häftlingen ein Konto besaßen, das auf den Block im bargeldlosen Zahlungsverkehr aufgrund der Guthaben lief. Es wurde ihm von seiner Kontokarte, die bei der Häftlings- kasse lag, an den Block nominell ausgezahlt und er konnte das einkaufen, was es in der Kantine zu erstehen gab.

Diese Arbeit verlangte peinlichst genaues Rechnen und Schreiben, Zählen und Addieren, sollte nicht eine heillose Verwirrung entstehen, denn nicht immer stimmten die Häft- lingsnummern mit den Namen überein; es kamen schon von außen her Verwechslungen vor. Vielfach stimmte der Vor- name nicht, aber der Zuname, und es war viel Geduld erfor- derlich, all dies in ein geordnetes, präzis laufendes Gefüge zu bringen.

Der Vorarbeiter, ein eigenartiger Mensch, von dem keiner wußte, ob er ein diplomatischer Kommunist oder ein Stink- nazi war, wurde im ganzen Lager teils gehaßt, teils gefürchtet. Er war überall bekannt und bei allen SS -Stellen, der Lager- führung und Verwaltung, angesehen und genoß unzweifelhaft auch als Häftling eine einflußreiche Autorität. Dies hatte er nicht zulegt dem glänzenden Funktionieren dieses immerhin komplizierten Apparates zu verdanken. der den SS-Kassen wiederum die Gelder, die den Häftlingen von ihren meist armen Angehörigen geopfert wurden, zufließen ließ.

60