rufen wird. Aber vorher muß ich Dich auf ein bis zwei Tage in die Küche oder Kantine schicken. Dort kannst Du wenigstens ein paar Kartoffeln erben, und das hilft schon weiter, sonst gehst Du ein."
Und schon wurde ich von der Küche angefordert. Dort gab es wirklich Kartoffeln in Hülle und Fülle. Anfangs allerdings nur schälen und kein essen dieser Kartoffeln! Es wurde streng darauf geachtet, daß keiner diese heißẞbegehrten Früchte der Erde aẞ und ein Übertreten des Verbotes brachte unweigerliches Abberufen vom Kommando mit sich. Und so schälte ich den ganzen lieben Tag, über die Fässer und Tröge gebeugt, unter der strengen Aufsicht des Küchencapos.
Auch hier half eine Fürsprache des guten Franz und am nächsten Tage war ich bei den wenigen Pellkartoffelschälern, die gesondert arbeiteten, und genoß den Vorteil dieser Einrichtung. Es war ein Ausruhen von Klinker und wie ein Traum erschienen mir die vergangenen schweren Wochen.
Da wurde ich, als ich von der Küche entlang dem todbringenden elektrischen Draht auf meinen Block zueilte, durch ein bekanntes Gesicht überrascht. Willi begegnete mir und erzählte von seinen jüngsten Erlebnissen im Lager, von dem furchtbaren Hunger, den er auszuhalten habe, dem schlimmsten Übel, mit dem er nicht fertig werden konnte. Freudestrahlend nahm er die paar Pellkartoffeln in Empfang, die ich versteckt bei mir trug.
Da kam auf einem Fahrrad ein SS- Streifendienst, wie wir beide dachten, und große Angst vor einer schweren Lagerstrafe überkam uns. Aber es kam anders.
,, Können Sie gut schreiben?" sprach er mich an. ,, Jawohl, ich glaube." ,, Dann melden Sie sich morgen auf der Effektenkammer." Jetzt erkannte ich, daß es ein SS- Scharführer war. Am nächsten Tage meldete ich mich wie befohlen und einige Tage später war ich auf der Effektenkammer.
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In der Effektenkammer.
In der Kammer kam ich mir anfänglich wie ein Außenseiter vor. Immerhin stellt sie eine gewisse Intelligenzelite dar unter den 25 000 Menschen, zusammen mit der Schreibstube,
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