am Tor stehen mußt; heute sind wieder viele am Tor, die Politische arbeitet wieder fieberhaft, es soll ein Großtransport nach Riga abgehen. Die ganzen Bettlägerigen und viele Politische müssen mit."
Neue Zweifel, neue Sorgen tauchten auf. Riga drängte sich wie ein Alp in meine Gedanken. Nichts Gutes ließ dieser Transport erwarten. Und daß gerade die Kranken und Bettlägerigen und politisch Diffamierten mit sollten, schien mir besonders verdächtig. Aber ich fühlte eine gewisse Geborgenheit in der Nähe des Blockältesten.
,, Du wirst natürlich gleich arbeiten und das Gebälk des Blocks reinigen, bis es zu einer Entscheidung mit Dir kommt. Diese ist stündlich zu erwarten. Weißt Du denn, wer von der Politischen Deinen Fall bearbeitet?"
Ich wußte keinen Namen und konnte diese Typen auch nicht genau kennzeichnen. Die Aufregung muß wohl zu groß gewesen sein, was auch Franz meinte.
Ich kletterte dann mit einer Schüssel Wasser auf die Spinde und nahm mir einen Stuhl zu Hilfe, um das Gebälk zu erreichen, und wusch eifrigst die Träger des Blocks, die durch Staub und Ruß eine schwarze Farbe angenommen hatten und nun wieder in der natürlichen Holzfarbe zum Vorschein kamen. Der kontrollierende SS- Blockführer kam herein und im Nu tobte mich Franz an, warum das nicht flinker und sauberer vor sich ginge. Ich wußte aber, wie es gemeint war, und es hatte den Erfolg, daß Spind und Stuhl nicht mit mir zu Boden prasselten, wie ich das auf dem Zugangsblock und im kleinen Lager schon erlebt hatte. Als nach Tagesende die Blockdecke frisch leuchtete, hatte auch Franz seine Freude, der sich zum Ziel setzte, immer irgendeine kleine Überraschung in das dumpfe Leben seiner Bude zu bringen.
Am nächsten Tage befahl er einem Häftling vom Waldkommando, ein paar gleichmäßige Birkenstämme mitzubringen, und dann zimmerten wir gemeinsam eine kleine Bank, die er im Frühling vor dem Block aufstellen wollte und jetzt noch versteckt hinter der Rückseite des Blockes aufbewahrte.
,, Wir müssen Dich, nachdem 24 Stunden längst verstrichen sind, dem Arbeitsdienst melden, daß Du neu eingeteilt wirst, sonst kriege ich den Kommandanten auf den Hals. Vielleicht hat Dich die Politische vergessen oder übersehen, denn so lange dauert es selten, bis einer zum erneuten Verhör ge
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