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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Worten klarzumachen, ich solle nur unterschreiben, daß ich von dem Haftbefehl Kenntnis erhalten habe.

,, Das kann ich nicht, Unterschrift bleibt Unterschrift. Wenn ich draußen im Leben als Kaufmann eine Quittung unter­zeichne, habe ich den Betrag auch empfangen, anders kenne ich das nicht."

Wieder mußte ich auf den Flur, das Gesicht zur Wand ge­richtet, und abwarten, was nun geschehe. Bei jedem Eintre­tenden nahm ich an, es komme der Züchtiger.

Ich sah schon den Pfahl vor mir, der einige hundert Meter von hier mitten im Industriehof stand, an den man, die Arme über einen Querbalken gebunden, aufgehängt wurde, bis man vor Schmerzen und ausgerenkten Gliedern das Erpreẞte, ob es nun zutraf oder nicht, in schmerzhafter, letzter Lethargie willenlos unterzeichnete. Vor mir stand die Gestalt des Züch­tigers, der dann den Häftling an den Block band und ihm mit der umwickelten Stahlrute die Hiebe versetzte, die meist ein fürchterliches, qualvolles Ende im Krankenrevier bedeu­

teten.

Ich mußte lange stehen und warten, warten auf diese grauenhaften Dinge, die mir bevorstanden.

Indessen wurde ich nach dieser langen, bedrohlichen Situa­tion in ein anderes Zimmer zu einem anderen Beamten ge­rufen und dieser bedeutete mir, ich habe sofort auf den Block im großen Lager zu gehen, in welchem ich aufgenommen worden war, bevor ich zum Klinkerkommando kam.

Nicht angenehm berührt von dem, was nun noch folgen könnte, verließ ich die politische Abteilung. Das Eingangstor zum großen Lager stand vor mir, die Wache wußte Bescheid, ich konnte unbehelligt passieren. Wieder las ich die großen Buchstaben: Es gibt nur einen Weg zur Freiheit, seine Mei­lensteine heißen: Wahrhaftigkeit, Mut usw. Sollte mir mein Verhalten vielleicht helfen, sollte vielleicht doch der Mut zur Wahrhaftigkeit den Ausweg aus diesem Labyrinth der Mög­lichkeiten mit sich bringen? Kaum wagte ich es zu denken.

Ich kam auf Block 27. Franz erkannte mich wieder. ,, Was haben sie mit Dir gemacht? Du gleichst ja nicht mehr Dir selbst. Du bleibst jetzt bei uns?"

Ich erzählte kurz von der Affaire in der politischen Abtei­lung. ,, Dann sehe ich allerdings schwarz für Dich", meinte er, ,, jeden Augenblick kann es sein, daß Du gerufen wirst und

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