Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
  

mal krank, nicht zur Arbeit gehen, dann gleich nächsten Tag Gestapo und KZ- Lager."

Oder: Ich mit schönes deutsches Mädchen sprechen, dann Gestapo kommen, mich verhaften." Oder: Ich viel Hunger, bei Bauer arbeiten, wenig Essen, ich Milch trinken( dabei strahlend polnisch ausrufend ,, mileko, mileko" Milch'. Dann Bauer mich Ortspolizei übergeben, ich Gestapo und jetzt ein­gehen. Wir in Ukraine viel Milch, Deutschland nichts Milch."

-

Und so immer das gleiche Lied! Dinge, deren sich diese Naturen gar nicht bewußt sein konnten. Aus dem überschäu­menden Reichtum ihrer Heimat in die brandenburg- preußi­sche Enge und Organisation gezwängt und oft kaum, daß sie acht Tage diesen deutschen Boden betreten hatten, waren sie Opfer ihrer Ahnungslosigkeit geworden. Wie oft gingen Men­schen, die heute noch ein schönes Äußeres besaßen und ver­meintlich an den Klippen des Lagers vorbeigeglitten waren, später mit einem verwundeten Glied vorüber, mit dem Aus­spruch ,, ich gehe ein".

Mit eingefallenen Wangen, hoffnungslos, blickten sie einen dann an, da es kein Heraus mehr gab aus dieser Mörder­höhle, in welcher der mörderische Arbeitsprozeß sie vernich­ten mußte.

Und so war es mit all den vielen Effektenpäckchen, die wir nun herausfuhren, um sie der Nachlaẞverwaltung zu über­bringen, die, scheinheilig, wie ein Akt der Güte, den Angehö­rigen diesen lächerlichen Rest der Habe zu übersenden hatte.

Wir sprachen über Tote. Hier wurden sie verstümmelt, wie sie waren, auf Bretter geladen und in die medizinische Ab­teilung gebracht, in die sogenannte Anatomie, wo man ganz willkürlich noch Versuche mit den Toten anstellte und Ärzte und Nichtärzte an den Leichen herumschnippeln ließ, wie sie es wollten. Tote, die in Massen in diese Anatomie und das an­schließende Krematorium gebracht wurden, und Tote, die in seltenen Ausnahmefällen nochmals der eine oder andere An­gehörige sehen durfte.

Da hatte man in der Nähe des Krematoriums an einem geschickt und freundlich mit Blumen und Sträuchern, Gras und Bäumen bepflanzten Weg eine Stätte errichtet. Hier wur­den diese wenigen, auserwählten Toten, die hin und wieder ein Angehöriger sehen durfte, in einen pomphaften Blumen­

55