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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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geschweige denn einem unkundigen und geschwächten, hoch­zustemmende Brennwagenachse schnitt in die Finger, und hatte man einige Achsen gewechselt, standen die SS- Treiber hinter einem, um das langsame Tempo zu bemängeln. Das Herz klopfte, Angstschweiß trat aus den Poren und durch die übermenschliche Anstrengung drohte oftmals das Versagen des gesamten Organismus; aber es gab keine Pause. Längst drang der Graphitstaub in alle Poren. Da trat wiederum ein SS­Mann auf mich zu und stülpte einen der Graphitkartons über meinen Kopf, daß ich eingestaubt war in den metallischen Ruß, schwarz wie ein Neger; und dies auf Wunden und auf Beulen, daß ich glaubte, jetzt geht es nicht mehr weiter. Nur in großem Abstand stand wieder ein Häftling, mit der glei chen Arbeit beschäftigt.

Abends im Lager versuchte ich den Graphitstaub zu entfer­nen, aber alle Mühe war vergebens. Ich ersuchte den Block­ältesten, mir draußen etwas Sand holen zu dürfen, und fand im Waschraum ein winzig kleines Seifenrestchen, mit dem ich versuchen wollte, mir den Schmutz vom Leibe zu entfernen. Kaum hatte ich jedoch angefangen, stürzte sich ein Häftling auf mich: ,, Jetzt haben wir wieder so einen Dieb! Du klaust hier die Seife!" und noch ehe ich mich versah, wurde ich von ihm über den Waschbottich gebeugt und von hinten mit seinen Fäusten bearbeitet.

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Es kamen mehrere hinzu; sie brachten mich in das Tages­zimmer des Blocks: ,, Schon haben wir wieder einen Dieb, Seife hat er gestohlen, legt ihn auf den Tisch!"

Ich blieb ruhig. Da trat ein älterer Häftling dazwischen und meinte: ,, Erst muß der Fall geklärt werden. Mir kommt der Kerl nicht nach Klauen vor, auch wenn er ein Neuer ist."

Der Ältere genoẞ Autorität genug, sich durchzusetzen. Ich sollte erzählen, was vor sich gegangen sei. So berichtete ich, es wurde anerkannt und man ließ mich in Ruhe.

Jeden Tag um diese Stunde waren wilde Auseinander­setzungen wegen kleiner, vermutlicher Diebstähle. Eine ganze Meute, unmöglich, sich ihr entgegenzustellen, stürzte sich blutgierig auf den Verdächtigten. Meist stellte sich dann her­aus, daß ein Socken oder Handschuh infolge der Enge der Räumlichkeiten oder des Platzmangels in den Spinden bei dem gegenseitigen Mißtrauen nicht zu finden war. Blutig

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