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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Wieder rollten die Loren, und als eine der Loren, die das Werk verließ, steckenblieb, drang der Befehl durch: ,, Bindet den Kerl an, der den Betrieb aufhält!"

Im Nu stürzte sich, wie eine Meute Hunde, eine Gruppe Menschen auf den, der nicht mehr stehen konnte und banden ihn an den Rollwagen, daß er mit ihm geschleift wurde, bis er nicht mehr lebte.

Sollte einem Häftling etwas bedeutet werden und er zu einer Handreichung oder zu anderen Arbeiten gerufen wer­den, so nahm man den nächstbesten Ziegelstein, deren es genug im Gelände gab, und warf nach dem Häftling, der auf diese Weise zum Nähertreten Befehl erhielt.

Es schneite und war eisig kalt, und so war es beliebt, Häft­linge, die im Tempo nicht mitkamen, sich an die großen, glut­vollen Brennöfen stellen zu lassen und sie unmittelbar da­nach in die Eiskälte zu jagen und dort zwei Stunden mit dem Kommando ,, Mützen ab", ohne sich rühren zu dürfen, stehen zu lassen. Das waren dann die einzigen wirklich an Lungenentzündung Verstorbenen, wie den Angehörigen meist lakonisch mitgeteilt wurde: Häftling X an Lungenentzündung im Lager verstorben.

Wieder andere Häftlinge waren mit dem Stapeln der Steine beschäftigt; weithin sichtbar standen die Mauern der Back­steinstapel, die die Häftlinge mit ihrem Blut und letztem Schweiß, mit dem schon blutigen Lehm, aus der Tongrube zu­tage gefördert hatten. Die Tongrube war besonders beliebt, schwache und gebrechliche, todkranke, eigens zu ihrem letzten Atemzug Herangeschleppte mit einem Tritt in den Hintern in den metertiefen Abgrund zu stürzen.

Nach etlichen Tagen wurde ich in ein anderes Kommando befohlen, weil meine aufgerissenen Hände die Bedienung des Tauchers nicht mehr möglich machten. So steckte man mich zur sogenannten Brennwagenmontage. Hier glaubte ich wirk­lich selbst einzugehen, den letzten Widerstand nicht mehr lei­sten zu können.

Eine unübersehbare Menge neu antransportierter Brenn­wagenachsen mit Rädern mußte in einem unbeschreiblichen Tempo, jeweils in die Höhe gestellt, die Räder abmontiert, mit Graphit bestäubt, wieder verschlossen, auf die Geleise gebracht werden. Diese kaum von einem gesunden Menschen,

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