kälte bei der ungewohnt dünnen Bekleidung schwer zu schaffen machte und ich durch den völligen Mangel beruflicher Kenntnisse ganz auf die Behandlung des Häftlings- Vorarbeiters angewiesen war und mich geflissentlich bemühen mußte, dem SS - Aufsichtspersonal gegenüber nicht zu sehr aufzufallen, so ließ sich diese Arbeit dennoch an und schon schien mir durch bestimmte Aufgaben die Aussicht auf erträglichere Stunden gegeben, wenigstens während der Arbeit, die von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends dauerte.
Ich kam auf einen Block, in welchem der Ostmärker Franz Atgersdorfer war, der selbst jahrelang im Lager Dachau und in Sachsenhausen Entsetzliches durchmachte, aber ein grundanständiger Kerl war; es war seine Art, nach außen den strengen Mann zu spielen, aber im Block selbst Gutes und Beschwichtigendes zu tun, so gut er konnte. Der Franz hatte meist Österreicher um sich und es galt als eine glückliche Fügung, auf seinen Block zu gelangen.
Als er hörte, ich sei aus München , bemerkte ich seine unauffällige Freude, als habe er einen Landsmann getroffen, und ohne viel Worte wies er mir seine Lagerstätte an, die er innehatte, bevor er Blockältester wurde und noch nicht im Tagesraum seinen Blockältestenwinkel bezogen hatte. Auf dem Strohsack neben mir lag ein Freund von ihm, mit den er Jahre hindurch allen Schmerz und alles Leid geteilt hatte. Und als ich dann am ersten Abend in diesem neuen Block und unter den günstig erscheinenden Arbeitsverhältnissen mich um 10 Uhr zur Ruhe legte, unterhielt ich mich noch lange flüsternd mit dem Schlafkumpan.
Ich merkte heraus, daß er versuchte, etwas über meine bisherige Zeit im Lager zu erfahren und bald ergab sich aus dem Gespräch eine höchst beunruhigende Mitteilung.
Er eröffnete mir unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit, daß ich nur diese eine Nacht auf dem Block bliebe, ich würde in der Frühe noch vor dem allgemeinen Wecken abgeholt werden und müßte mit hinaus ins Klinkerwerk. Er gab mir allerhand Ratschläge und sagte mir, jetzt könnte ich verstehen, warum er mir am Abend schon die Zigaretten geschenkt habe.
Ich stutzte und erkannte jetzt erst wieder das Gesicht des einzig freundlich Lächelnden, der mir in der Trosteinsamkeit begegnete und zu aller Überraschung ganz unerwartet ein
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