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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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die Räume. Zigeuner und vereinzelte Neger sind meistens in Gemeinschaften. Von ersteren sind zu ihrer Ausrottung be­sonders viele in die Konzentrationslager gewandert. Man kann überhaupt beobachten und erfahren, wie sich diese ungeheu­ren Menschenmassen durch verschiedene sogenannte ,, Groß­aktionen", die im Laufe der Jahre ,, draußen" stattgefunden haben, hier ihr unerfreuliches Stelldichein gaben. Einmal waren es die Bibelforscher, die in allen Teilen Deutschlands als staatsgefährlich, pazifistisch und defaitistisch verfolgt wur­den. Ihnen wurde kurzerhand eröffnet, sie müßten einen Pas­sus unterschreiben, der besagte, sie würden künftig von der Lehre Jehovas ablassen; taten sie dies nicht, so kamen sie ins Lager. Ihre Zahl schmolz im Lager in kürzester Zeit zusam­men, derartig richtete sich der Vernichtungskampf gegen diese Verteidiger ihres Glaubens und ihrer Lehre.

Dann wieder wurden z. B. für irgendein neuerrichtetes Werk inerhalb des KZ- Lagers Mechaniker, Uhrmacher, Gold­arbeiter, Juweliere usw. für erforderlich gehalten und schon setzten Aktionen bei den jeweiligen Berufsgruppen ein und an den Zugängen konnte man deutlich erkennen, wie sie dann in mehr oder weniger geschlossenen Gruppen als zusammen­fließendes Sklavenmaterial ins Lager strömten.

Vielfach hat man sich gar nicht die Mühe gemacht, fest­zustellen, ob irgendein noch so kleines Delikt vorlag. Der Sachbearbeiter sprach eine Verdächtigung aus und dies ge­nügte, um den Unglücklichen ins Lager zu bringen. Bei den Polenaktionen wurde, wie ich immer wieder hörte und fest­stellte, ganz wahllos zugegriffen und es genügte die bloße Tat­sache, daß einer bei der polnischen Staatseisenbahn oder bei einer Autobusgesellschaft tätig war. Besonders viele solcher Menschen, die aus den Grenzgebieten kamen und teils deut­sche, teils polnische Anverwandte besaßen, kamen zu Tau­senden ins Lager; gegen diese Polen und Halbpolen setzte ein fürchterliches Massenmorden ein.

Sehr beliebt war es, Leute ins Lager zu stecken, die Ver­kehr mit Frauen anderer Nationen hatten; das war eine so­genannte ,, feststehende" Straftat, die geahndet wurde. Fand der Verkehr mit Erfolg statt, so kam er ein halbes Jahr ins Lager, hatte er keinen Erfolg, so war es ein Vierteljahr. Aber diese zu einem Viertel- und halben Jahr Bestraften waren oft

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