Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen

mittag werden wir wieder Schlittenfahren, daß Ihr nicht mehr zurückkommt."

Otto drückte sich etwas mehr an mich und hielt sich am Unterleib, er hatte große Schmerzen. An seinem beschmutzten Mantel erkannte ich, daß auch er vorhin in eine Schmutzlache gefallen war; er mußte unglücklich zu Fall gekommen sein, denn nie hatte ich bemerkt, daß er die Hand auf seine Bruch­stelle hielt.

Einer wagte es, die Hand zu heben, und verhältnismäßig ruhig befahl ihm Pironje zu sagen, was er habe. ,, Ich würde gerne nach Hause schreiben."

,, Die leben auch ohne Dich. Schreiben gibt es hier nicht für Zugänge. Sei mal erst 8 Wochen im Lager und wenn Du dann noch lebst, befummele Deine Alte, wenn Du kannst."

Jetzt wurden 6 Mann ausgewählt, die künftig Essen holen sollten. Ich war bei diesen Auserwählten. Wir traten mit unse­ren großen Kübeln an und geschlossen ging es vor die Lager­küche, wo schon Hunderte warteten. Das Blinken der großen Kessel, das Klirren der Schöpflöffel gegen die Tröge und Bot­tiche, die ungeheuren Ausmaße der Küchenanlagen, die hier für etwa 25 000 Menschen die in hohen Bergen aufgetürmten Steckrüben und Futterkartoffeln verarbeiteten, war alles kein Eindruck gegen die Szene, die ich auf dem Rückweg mit den gefüllten Kesseln erlebte, aus denen beim Gehen mit den Holzpantinen und bei dem ungewohnten Umgang die brüh­heiße Suppe dauernd an den Henkeln über die bald entzün­deten Finger spritzte.

Eine Gruppe Häftlinge, die wohl aus genauer Beobachtung wußten, daß wir Zugänge noch nicht so geschickt hantierten und vorwärts kamen, nützten diese Situation aus und stießen ein Trägerpaar zu Boden, daß der Kessel zu Fall kam und sich die ganze dampfende Rübensuppe über den sandigen Boden ergoẞ. Sofort beugten, legten und streckten sich, mit aus der Tasche gegriffenen Löffeln, klapperdürre Gestalten mit hohl­wangigen, hungerverzerrten Gesichtern zur Erde und löffelten vom Boden die sandige Suppe. Manche bedienten sich nur der Hände, wieder andere nur des am Boden schlürfenden Mun­des, um ihren Hunger zu stillen. Dabei ergaben sich Raufe­reien um den besseren Platz.

Wir kamen dann zurück mit dem Ausfalle eines Kessels und wurden sofort als Abholer abgesetzt. Die Schilderung, die wir

30