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Und dann die Bahnhöfe! Am meisten träume ich von den grauen ich bin in so vielen gewesen. Bahnhöfen des Krieges. Von Wartesälen Ich träume von einem endlos langen Zug, den ich nicht vergessen kann. Von Gestalten, die sich an Türen und Fenster drängen; bleiche, ernste Gesichter. Kaum vermag ich noch zu unterscheiden, ob es Gefangene oder Soldaten sind. Immer beugt sich einer von ihnen vor und flüstert mir zu: ,, Nun komme ich nicht wieder zurück!"
,, So darfst du nicht denken," antworte ich.
Aber er sagt: ,, Ich weiß es." Und in den Augen liegt ein unbeschreiblicher Ausdruck. Ich sah ihn irgendwo schon, fern dieser Welt und fern
einer neuen.
Mir ist, als ob Gefangene und Soldaten wie aus einem Munde sprechen: ,, Wir gehen und kommen nicht wieder."
Die Beeren der Eberesche sind dunkelrot. Über mir ist der Himmel, unheilverkündend. Sein Blau ist nicht mehr himmlisch; ich habe es fürchten gelernt. Schon höre ich das Surren von Motoren. Mein Blick wendet sich ab, geht zur Erde. Am Rande eines abgeernteten Kornfelds steht eine schwarze Gestalt.
Ich werde wach. Die Finsternis der Nacht kriecht über mich, und ich murmele: ,, Ich bin allein."
Auf dem Bahnsteig sind große Wasserlachen und schmutziger Schnee. Es hat nachts geschneit; das Dach der Bahnhofshalle ist seit langem durchlöchert. Die Mannschaften in den Flakwagen hinten am Zug machen sich an den Flakgeschützen zu schaffen.
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Der Bahnhof ist überfüllt. Rotekreuzschwestern; irgendein großer Kindertransport. Jedes Kind hat seine Namenskarte um den Hals gebunden bekommen. Aufgeregte Mütter und Väter. Und Soldaten. Soldaten. Soldaten. Gespenstisch fließt über diese wimmelnde Menge das Licht von einigen Bogenlampen. Es ist sehr früh am Morgen; ich bin noch nicht ganz wach. Es geht mir heute wie oft in der letzten Zeit. Der Traum der Nacht fließt unbestimmbar in die Wirklichkeit über.
Ich hätte viel eher kommen müssen. Der Zug ist schon voll. Ich bekomme aber noch Platz in einem Abteil, in dem sonst nur Soldaten sind. Vom Gepäcknetz hängen die Riemen des Marschgepäcks herunter. Zigaretten glimmen im Dunkel. Nur ein wenig vom Licht der Bogenlampen dringt in das fensterlose Abteil und legt über die Gesichter einen fahlen Schein. Pfeifen werden ausgeklopft, Zigaretten angezündet. Sie rücken sich zurecht. Sie strecken die Beine weit aus.
Der Zug setzt sich in Bewegung. Vielleicht ist es die letzte Reise, denke ich und versuche, meinen Rücken gerade zu machen. Einer der Landser fängt an zu singen: ,, Denn wir fahren, denn wir fahren
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ei macht eine Pause und singt dann statt ,, gegen Engeland' fahren mit der Eisenbahn!" Er lacht kurz auf. Die anderen Soldaten bleiben stumm. Einer sagt: ,, Mensch, gib Ruhe!"
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