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fürchte man sich vor der Stille, als wolle man es ängstlich vermeiden, sich umzuschauen in einem Zimmer, das allzu nüchtern und fahl von einer Birne erhellt wird, die an einer provisorischen Schnur von der Decke hängt.
Ich zupfe ein wenig an dem verstaubten Bettuch, das über meinen Sessel gebreitet ist. Als ich den Zipfel des Lakens hebe, sieht ein Stück des Damastbezuges hervor, mattes Weinrot.
Es wird spät. Keiner macht Anstalten, aufzubrechen, als scheue man sich mehr noch vor dem Dunkel der Nacht als vor einem Zimmer, in dem noch ein matter Abglanz vergangener Pracht liegt.
Da es aber stiller wird im Zimmer und die Pausen zu lang zu werden drohen, setzt sich eine der Damen ans Klavier. Sie beginnt zu spielen Es ist Mozarts Sonate in c- Moll Idas Adagio!
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Wann war es zum letztenmal in mir aufgeklungen? War es nicht damals gewesen, als sich der Himmel verfinsterte? Als ich in einem Strom von Menschen über die Lombardsbrücke mich schleppte? Als das Gesicht des Künstlers vor mir aufgetaucht war und wieder in der Menge versank? Diese perlende, lockende Melodie! Wie flüchtig war sie gewesen. Sie war untergegangen im Klingeln, Tuten, Pfeifen und Stöhnen der Straße, in einer Symphonie des Elends.
Nun strömt Mozarts Musik noch einmal über mich hin, hüllt mich ein, daß ich die Umgebung und alles, was mich bedrückt, vergesse. Ach, schriebe sich mir diese Melodie ins Herz! Ich fühle, daß ich sie auf lange Zeit zum letztenmal höre. Vielleicht für immer.
Der Januar ist fast zu Ende. An allen Fronten ist Stille. Es ist tiefer Winter. Wir warten. Noch einmal bereiten wir eine Besuchsreise vor, nach Bautzen in Sachsen .
Nachts vorm Einschlafen denke ich wieder: vielleicht zum letzten
mal?
Ich schlafe unruhig. In diesen langen Winternächten tauchen Begebenheiten des letzten Jahrzehnts auf, die ich längst vergessen hatte. Ich träume von der kleinen Wahlzelle, in der ich vor vielen Jahren gestanden habe, von den beiden SA- Männern, die neben dem offenen Wahlschrank stehen und sich über mich beugen, als ich mit zitternder Hand ein Kreuz machen will. Es wird kein Kreuz, es werden nur einige angstvolle Striche neben dem ,, Nein". Ich weiß nicht einmal mehr, wonach gefragt worden ist. Es ist so lange her. Ich entsinne mich nur noch, daß es meine erste und letzte Wahl war.
Sonst träumte ich vom Zuchthaus und von der Gestapo . Jetzt gehe ich weiter zurück in die Vergangenheit. Oft träume ich von der Schule. Ich höre die Lehrerin fragen: ,, Soll man subjektiv oder objektiv denken?" Dann hebt sie den Arm und weist mich hinaus. Ich gehe. Wie hellerleuchtet war die Klasse. Nun bin ich im Dunkel im Nichts.
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