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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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troffen, der Einschlag muß aber in der Nähe gewesen sein. Ich lege die Hand auf die Stirn. Wie kalt sie ist; mich friert.

Es raschelt am Boden: Gefangenenbriefe. Sie werden ihr Ziel erreichen. Dazwischen ist steifes Papier die Pappe aus den Fenstern. Das schwarze Papier baumelt in langen Fetzen vom Rahmen herunter.

Ich lausche nach draußen. Bleibt es still? Da es klickt wieder im Radio. Die elektrischen Kabel in der Straße scheinen nicht getroffen zu sein. Ich schalte das Radio aus. Ich taste mich bis zur Küche. Im Schrank in der dritten Schublade von oben sind Hammer und Nägel. Ich bin er­schöpft, aber ich muß diese Pause nutzen. Vielleicht haben wir Ruhe heute nacht. Die Fenster müssen notdürftig wieder verschlagen werden.

Ich muß noch die Gefangenenbriefe zu Ende lesen. Nein, erst die Nägel gerade schlagen. Doch noch ist nicht entwarnt, noch muß alles dunkel bleiben. Wenn ich nur schlafen könnte! Ich bin müde; es ist kalt. Es wird Winter­

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aber da

Die Hand, die den Hammer gefaßt hat, entspannt sich. Ich schiebe den Kasten zurück. Ich springe auf und stolpere durch die Finsternis. Was ist das? Träume ich? Bin ich noch halb bewußtlos?

Von irgendwoher kommt Musik, wunderbare, unirdische Musik. Ich gehe ihr nach; ehe ich mich versehe, stehe ich auf der Straße. Aus den Häusern hängen Gardinen und Papierfetzen wie Strünke. Über den Himmel ergießt sich die flammende Glut. Aber in dieser verlassenen Straße jubeln die Geigen, verstummen, nehmen das klagende Motiv des Cellos auf und wandeln es um in die reinste Freude. Sie stürzen sich in neue Ver­schlingungen und locken Klavier und Cello zum Einsatz

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Es ist grausig- schön. Atemlos gehe ich weiter. Ich komme näher. Immer brausender wird die Musik sie dringt aus einem Haus, das ebenso verlassen steht wie die anderen. Der Druck der Bomben hat die Tür geöffnet. Ich gehe hinein und ent­decke das Geheimnis der Musik. Das Radio spielt schon wieder, als sei nichts gewesen.

Es ist Beethovens Fünfte . Hat er sie eigens geschrieben für eine ein­same, dunkle Straße? Für ein Haus mit zerfetzten Papierfenstern? Für ein zerrissenes Menschenherz des zwanzigsten Jahrhunderts? Die Ausweg­losigkeit unserer Zeit überwältigt mich, füllt mich bis zum Rande.

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Die Erlebnisse der letzten Monate drängen sich mir von neuem auf, die Musik braust über mich hinweg. Wieder höre ich Günthers Stimme: ,, Ja, Mutter, er ist gefallen." Der Grüne sagt am Morgen der Hin­richtung: ,, Hier gibt es Leben." Ich sehe mich mit der Prima im Zucht­haus sitzen wie gut ist es, sein Land lieben zu können. Ich spüre Theos unglücklichen Blick betrogen! Ich höre Worte, es sind die Worte unseres Jahrhunderts: ,, Ich bin da, um zu strafen!" Ich bin allein im Dunkel ganz allein mit einer Musik, die mich etwas tun läßt, was ich seit langem vergaß: Ich falte die Hände.

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