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Der norwegische Lektor, mit dem ich seit dem ersten Besuch im Kettenwerk bei vielen anderen Gefangenen gewesen bin, ist gerade bei uns, als der blaue Brief eintrifft.
,, Sie haben viel unternommen in der letzten Zeit", sagt er. ,, Es ist besser, sie fahren fort."
,, Wohin?"
,, Und unsere
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Gefangenen- Freunde?"
,, Du mußt gehen!" drängt meine Mutter. ,, Soll ich auch dich verlieren?" ,, Ich darf nicht, Mutter. Ich bleibe."
,, Sie sind mutig!" sagt der Lektor beim Abschied und reicht mir die Hand.
Nein! Ich bin nicht mutig. Ich habe Angst. Ich bleibe, weil ich den Tag nach der Flucht fürchte. Welche Scham wäre in mir, fortgelaufen zu sein. Ich habe aber auch Angst vor der Gestapo . Als nachts Alarm ist, sitze ich am weitgeöffneten Fenster und warte und denke: ,, Wenn es nur vorbei wäre jetzt in der Nacht!"
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Doch der Morgen kommt.
Ubernächtigt sitze ich wieder in dem Zimmer mit der ledergepolsterten Tür. Wieder ist jene seltsam lauernde Ruhe in mir, vor der sich die Angst verkriecht.
Die Gestapo hat offenbar immer noch keine Handhabe gegen mich. Es wird nur ein allgemeines Verhör, so wie es im vorigen Jahre gewesen ist. Ein Geplänkel, scheinbar harmlos. Warum ich diesmal vorgeladen worden bin, wird mir nicht daraus ersichtlich. Irgendeinen Grund muß es aber haben, und sei es auch nur der eines grundsätzlichen Mißtrauens gegen den, der in solcher Arbeit steckt wie ich.
Ergeht es anderen genau so? Oft ertappe ich mich dabei, daß ich irgendeinem Mann oder einer Frau, die im öffentlichen Leben des Dritten Reiches eine Stellung bekleiden, forschend ins Gesicht sehe mit der stummen Frage: Laden sie dich auch vor?
Doch ihr Gesicht ist ebenso ausdruckslose Maske wie das meine, als der Gestapobeamte am Schluß der Unterredung in einem Ausbruch gespielter oder vielleicht auch echter Vertrauensseligkeit sagt:„ Na, egal! Bald ist es ja doch vorbei."
,, Mit Ihnen
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oder mit mir?"
,, Mit beiden!" Der Gestapobeamte steht auf und sieht durch die riesigen Scheiben des Fensters. Draußen zerrt der Wind die letzten Blätter von den Bäumen. Von dem Haus gegenüber ist nur noch die Fassade übriggeblieben. Und ein paar Buchstaben irgendeiner Aufschrift unter den leeren Fenstern des ersten Stocks. Wohl ein Firmenschild. Die einzig unversehrten Buchstaben sind das A und das O.
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