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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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vom Zuchthaus Fuhlsbüttel, nicht ölig wie der in Rendsburg , nicht ge­mütlich verschmitzt wie der in Bützów dieser Chef ist ein Umstands­

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kasten! Ich spreche mit ihm über einen norwegischen Gefangenen, der in der Autoschlosserei des Zuchthauses arbeiten möchte. Bis jetzt ist er in der Schmiede beschäftigt gewesen.

,, Wie, der Mann bittet um Arbeitsplatzwechsel?" Die Hinrichtungen am Morgen und der bullernde Kanonenofen haben den Chef noch nicht wach gemacht. Jetzt wird er lebhaft. ,, Drei Möglichkeiten gibt es, die diesen Ge­fangenen dazu bewegen könnten, einen Arbeitsplatzwechsel zu beantragen. Entweder der Mann will einen Fluchtversuch machen und hat entdeckt, daß er in der Autoschlosserei Gelegenheit dazu hat

,, Aber die Schmiede liegt unmittelbar neben der Autoschlosserei!" ,, Nun gut!" fährt der Oberregierungsrat unbeirrt fort. ,, Dann ist es eben die zweite Möglichkeit. Der Mann hat in der Schmiede keine Spionage treiben können und hofft nun, daß ihm das in der Autoschlosserei ge­lingen wird." Zufrieden betrachtet er die Zigarre, die er raucht. Er spricht laut, wohl in der Annahme, daß der Pfarrer kein Deutsch versteht und die angewandte Stimmstärke die fehlenden Sprachkenntnisse ersetzen kann. ,, Und dann besteht noch eine dritte Möglichkeit. Der Gefangene hat beobachtet, daß die Autos, die zur Reparatur gebracht werden, weibliche Chauffeure haben. Vielleicht will er auf diese Weise mit einer Frau" ,, Aber, Herr Oberregierungsrat!" unterbreche ich ihn ,,, der Gefangene ist doch verheiratet."

Der Chef wirft mir einen raschen Blick zu. Keine Miene ist in meinem Gesicht verzogen. ,, Da kennen Sie noch wenig vom Leben!" meint er und lacht verlegen.

Doch das, was ich wollte, habe ich trotz meiner ,, Lebensunkenntnis" erreicht. Mürrisch, als verberge sich dahinter eine gewisse Rührung, sagt der Chef: ,, Meinetwegen ich will diesmal eine Ausnahme machen."

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Im Laufe der Jahre lernte ich viele Anstalten kennen und ebenso viele Anstaltsleiter. Als ich mit meiner Arbeit anfing, dachte ich, es gäbe keinen kälteren Chef als den vom Zuchthaus Fuhlsbüttel und keinen gefährlicheren als den in Rendsburg . Allmählich beginne ich zu begreifen, daẞ weder der eine außergewöhnlich kalt noch der andere besonders ge­fährlich ist. Sie sind wie alle. Sie sind so, wie Menschen im Verwaltungs­büro eines Totenhauses werden müssen.

Werde ich jemals den stürmischen Tag im November vergessen können, als der Pfarrer und ich von Coswig aus die Elbe entlang zum Strafgefangenenlager Griebo gehen? Die Wolken hängen tief, der Regen peitscht über den schmutzigen Fluß. Das Ufer zu beiden Seiten ist grauer Kies. Bis zum Horizont grüne Weiden, die flächenweit unter Wasser stehen. Dann kommen Kreide- und Steinbrüche nahe dem trübe dahin­schleichenden Fluß. Von den Bäumen rascheln die letzten Blätter. ,, Wie lange noch?" frage ich den Pfarrer.

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