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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Dort, wo die Elbe eine Biegung macht und dem Ufer weite Wiesen vorgelagert sind, liegt an einem der Kiesberge das Lager. Stacheldraht, doppelt gewickelt, in zwei Meter Abstand nach innen noch einmal Stachel­draht. In diesem künstlich geschaffenen Gang kommen Schäferhunde wie wahnsinnig angerast. Als sie uns wahrnehmen, kriechen sie fauchend wie Wölfe an den Stacheldrahtzaun heran. Sie begleiten uns bis zum Tor und beziehen mit geifernder Zunge Posten.

,, Schaffen Sie die Hunde fort. Sonst kommen wir nicht hinein."

,, Dann bleiben Sie doch draußen!"

Vom Tor bis zur Wachbaracke sind es nur zehn Schritte. Es ist ein weiter Weg, denn die Hunde umschleichen uns, als wollten sie sich jede Sekunde auf uns stürzen.

,, Kommen Sie zum Chef!" Er greift zum Schlüsselbund und öffnet zwei mit Stacheldraht umwickelte Tore. Dieser Chef scheint gefangener als jeder Gefangene zu sein! Welche Pracht jenseits der Tore mit Holz verschalte Wege, kostbar angelegte Blumenbeete; die Blüten sind wie die spärlichen Gräser auf dem Lagerplatz vom Wind und Regen zerzaust..

-

Die Baracke des Chefs ist schon erkenntlich an der dickgepolsterten Ledertür. Ein weiter Raum, mit Teppichen ausgelegt. Hinter dem Schreib­tisch steht ein Mann mit geschwollenen Adern, der zum Gruß den rechten Arm gerade macht. Klägliches Winseln vor mir. Auf einem ledernen Klubsessel, eingehüllt in mehrere Wolldecken, guckt ein kleines braunes Köpfchen hervor. Es schnuckt und winselt. Ein Dackel. Vor ihm steht ein elektrischer Heizofen.

Ich streichele den Hund. Als der Mann es sieht, kommt er näher. Die aufgeregten Adern schwellen ab. ,, Bobby ist krank. Aber die Wärme wird helfen."

,, Wie haben Sie nur hergefunden in dieses gottverdammte Nest?" Der Chef läßt sich in einen der Ledersessel fallen. Gleich darauf springt er aber wieder auf und rennt hin und her. Er sei erst einige Monate hier, ,, Ich war im Ostministerium als. Leiter des Strafvollzuges in der Ukraine ." Einunddreißig Anstalten habe er unter sich gehabt. Er spricht von Keller­gewölben, von Kasematten, von den Tausenden von Ukrainern, die er darin gefangen hielt. ,, Bobby!" unterbricht er sich. ,, Ja, was ist denn, Bobby?" Der Dackel hört erst auf zu winseln, als sein Herr ihn hochnimmt. Er legt seinen Kopf an den des Dackels und erzählt weiter von den Toten­häusern in der Ukraine , von der Kriegswalze, die über sie gerollt und ihn, den einstmals Gewaltigen aus dem Ostministerium, in dies Lager ver­schlagen hat. Es wird aber wieder vorwärts gehen. Die Ukraine muẞ zurückerobert werden, und wenn sich auch unsere Heere dabei totlaufen." In dieser prunkhaften Baracke wartet ein Mann darauf, seine ,, ihm lieb gewordene Arbeit" wieder aufnehmen zu können. ,, Was ist schon so ein Lager wie dies!" ruft er aus. ,, Soll ich meine Tage mit Verwaltungs­

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