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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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unendliche Bläue, auf dem anderen diesige Schleier oder strömender Regen, daß sich Wolkenwände und Wellenberge gleichen. Strahlende Sonnenauf­gänge, glutvolle Abende und milde Mondnächte. Jede Wandlung von Himmel und Meer ist vermerkt, und das Boot macht die tausendfach wechselnden Bewegungen des Meeres mit. Im Sturm ist es halbbegraben zwischen den Wellenbergen, und bei spiegelglatter Fläche liegt es ruhig und schwer im Wasser.

Doch der Fischer selbst? Zwar klammert er sich bei stürmender See im Boot fest, im Regen glänzt sein Olzeug von blanker Nässe, bei ruhiger See sitzt er gelassen am Steuer. Eins aber ist immer gleich: Der Ausdruck seines

Gesichts.

Himmel, Meer und Boot vergesse ich über den Augen des Fischers. Sie sind nicht angstvoll im Sturm geweitet. Sie blicken weder schwermütig im diesigen Grau, noch spiegeln sie den friedvollen Glanz der untergehenden Sonne an blauen Tagen. Sie sind immer die gleichen, sind starr auf ein einziges Ziel gerichtet. Sie nehmen die Umgebung nicht mehr wahr, weder Sturm und Regen noch Sonnenschein.

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Ist jenes Ziel, das unendlich fern sein muß, Land oder ein Leuchtturm? Auf jedem Bild muß es ein und dasselbe Ziel sein. Denn wie auch das Boot liegt die Augen des Fischers gehen in die gleiche Richtung. Auf einem der Bilder steht er, mit dem Rücken zu uns gewandt, aufrecht im Boot. Doch auch da wendet sich das Gesicht so, daß die Augen wieder in jene bestimmte Richtung wandern.

Wohin blickt der Fischer? Auf wen wartet er? Auf was hofft er? ,, Wer ist es?"

,, Ein Stammgast."

Sein Schicksal ist schnell berichtet. Er ist Fischer gewesen.

In dunklen Sturmesnächten und hellen Tagen blicken seine Augen suchend in die Ferne. Sié tragen den Schimmer der Hoffnung, denn am Land wartet die Frau. Einmal aber, als er zurückkehrt, überrascht er sie in den Armen des Liebhabers. Da bekommen die Augen einen düsteren Glanz. Stumm geht er von dannen, zurück auf die See. Er bemerkt fortan nicht die Sommerwölkchen am Himmel. Er schaut nicht mehr wie einst in die glut­volle Sonne am Abend. Ihn schrecken keine Stürme der Nacht. In ihm reift ein Plan. Die Augen starren, als suchen sie nur das eine Ziel. Er kehrt zur Frau zurück, bringt sie und den Liebhaber um. Nicht im wilden Rausch, sondern ruhig, gleichsam bedächtig.

Vorsätzlicher Mord. Wegen mildernder Umstände wird das Todesurteil in lebenslängliches Zuchthaus abgewandelt.

,, Als ich meinen Dienst antrat," sagt der Wachtmeister ,,, war er gerade zwanzig Jahre hier. Ich entsinne mich noch genau. Ich bekam Weisung, ihm einen Bogen Papier in die Zelle zu bringen, damit er für sich ein Gnadengesuch schreiben könnte."

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,, Und warum ist er nicht begnadigt worden?"

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