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Was bleibt noch zu sagen übrig? Soll ich vom Zuchthaus berichten? Von den Gefangenen? Der Tag kommt, an dem ich erkenne, daß ihr Schicksal eins wird mit meinem eigenen, eins mit dem Schicksal der Millionen, die sich jenseits der Mauer von Woche zu Woche und von Monat zu Monat schleppen. Noch denke ich dabei nur an jene, die in diesem Jahrzehnt ihrer Haltung unverändert treu geblieben sind. Ich denke an das aerbeigene Deutschland .
Hat dieses Heer von heimlich Messchlesenden nicht ein anderes Gesicht bekommen? Es dauerte lange, zu lange. Leben nicht auch wir, die eine. glückliche Fügung bis heute vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt hat, in Absperrung, in einer, wenn auch von uns selbst freiwillig eingegangenen Haft? Als„sie kamen, war ich noch keine siebzehn. Da sagte ich zum erstenmal„nein“. Über ein Jahrzehnt lang habe ich„nein' gesagt. Ich lernte, die Menschen in zwei Lager zu teilen, nur noch eine Wertung zu kennen: dafür oder dawider!
Vielleicht ist es gut, daß noch mitten im Kampf der Tag kommt, an dem ich erkenne, daß mein Blick erstarrt ist.
Es ist kein großes Erlebnis, kein Geschehen, sondern aus der-öden Mittagsstunde auf dem.Gang eines Zuchthauses geboren. Irgend einer der Wachtmeister steht vor der Tür einer Zelle.„Wieder einmal hier?“ spricht er mich gähnend an.
Eine‘ Frage, die man im Weitergehen abtut. Der Grüne wünscht Unter- haltung.„Verstehen Sie etwas von der Malerei?“ beginnt er. Er öffnet die Zelle.„Kommen Sie! Schauen Sie einmal herein."
Ich sehe über den Gang, ob uns niemand beobachtet.
„Nein, nein!” beruhigt mich der Grüne.„Die Zelle ist leer. Er ist zur Freistunde im Hof.“
Wer ist dieser„er''?
Wie geblendet weiche ich zurück. Die Zelle ist leer und doch nicht leer. Sie ist wie jede andere und doch anders. Die sonst kahlen, weiß-grau ge-
.kalkten Wände sind bedeckt mit Bildern, Olgemälden, Zeichnungen und
Aquarellen. Farben, Farben, zarte und grelle. Kaum ein Fleckchen der Wand schimmert noch hervor.
„Darf denn ein Zuchthausgefangener malen?“
„Er ist der einzige. Besondere Vergünstigung vom Chef."
„Warum?“ will ich fragen, doch es verschlägt mir die Sprache. Denn inzwischen bin ich näher herangetreten. Bilder und Farben fangen mich ein. Sie unterscheiden sich von allem, was ich bisher gesehen habe. Ich blicke von einem zum anderen. Mir wird schwindlig dabei.
Was wird auf den Bildern dargestellt? Das Motiv ist immer das gleiche! Meer, Himmel, Boot und ein Fischer.
Das tausendfach wechselnde Gesicht des Meeres ist festgehalten. Auf einem Bild ist es ruhig, auf dem anderen leicht gekräuselt, auf einem dritten bewegt und auf dem vierten sturmdurchpeitscht. Auf einem Bild
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