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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Verfügung da. Der Chef sagt: ,, Ich habe Bescheid bekommen, daß es wirkungsvoll sein soll, wenn

,, Das Reglement schreibt eine andere Strafe bei Fluchtversuch vor," wendet meine Freundin ein.

Sie fährt nach Berlin , führt Beschwerde bei der vorgesetzten Dienststelle. Man gibt ihr recht. Acht Tage später verfügt die gleiche Dienststelle ihre Versetzung. Fünf Jahre ist sie Oberin an der Anstalt in Bützow gewesen: fünf Jahre Menschlichkeit in einem Gefängnis.

Wäre es nicht besser, sie hätte sich gefügt? Dann wäre sie geblieben. Wie viele haben nachgegeben. Erst sagten sie: ,, Ich muß es tun, um-." Etwas später hieß es dann: ,, Ich muß es tun, sonst

, Wie ist die neue Oberin?" fragen wir im Besuchszimmer. Schluchzen ist die Antwort.

Ein Mädchen von kaum zwanzig Jahren steht vor uns. Es schlägt die Schürze vors Gesicht. Abgrundtiefe Verzweiflung spricht aus ihm, als es fragt: ,, Wann werde ich hingerichtet?"

,, Wir sind deine Freunde.".

,, Das sagt die Gestapo auch."

Sie ist freiwillig nach Deutschland gekommen und hat sich in einem Haushalt als Angestellte verpflichtet. ,, Doch da alles anders war, als ich es mir gedacht hatte, lief ich fort.".

Aber wie über die Grenze kommen? Die Gestapo hält Ausschau nach Kontraktbrüchigen. Sie reist nach Berlin mit der unklaren Vorstellung, daß es in einer großen Stadt Mittel und Wege geben muß, sich falsche Papiere zu verschaffen. Denn sie will fort. Nur zurück nach Dänemark !

Das Geld geht ihr aus. Auf dem Bahnhof lernt sie einen Mann kennen. ,, Er wollte mir helfen und brachte mich in einer Pension unter." Sie bricht aufs.neue in Tränen aus. ,, Nach drei Wochen war ich wieder allein.".

Die Pensionswirtin weist ihr die Tür und hält ihr die Rechnung vor. Tränen sind die Antwort. Dann kommt die Polizei.

Das Urteil: Zehn Monate wegen Arbeitskontraktbruch.

Sie kommt zur Abbüßung der Strafe nach Bützow ins Frauengefängnis. Nach einigen Monaten glaubt sie sich schwanger. Da fühlt sie das Unglück in voller Wucht über sich hereinbrechen! Denn nun sieht sie das Heim in Dänemark für immer verschlossen zu Hause waltet ein strenger Vater. Sie weiß nur noch einen Ausweg: Sterben. Zum Selbstmord ist sie zu schwach. Ein anderer Gedanke kommt ihr: Hinrichtung.

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Sie schreibt ein in Dänemark weit verbreitetes Schmähgedicht über Hitler und läßt es von Zelle zu Zelle wandern. Sie ruht nicht eher, als bis ihr Treiben entdeckt wird.

Die neue Oberin hat gerade ihren Dienst angetreten. Ihre erste Amts­handlung ist eine Meldung an die Gestapo. Die Gestapo kommt und ist freundlich, denn hinter der Bereitwilligkeit zum Geständnis vermutet sie noch größeres Wissen.

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