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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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einige Knüffe, das macht ihnen nichts. Endlich haben sie sich ein freies Eckchen ergattert. Der Kleine streckt jammernd seine Arme zu uns hin, doch die Frau neben mir hat die Augen geschlossen. Die Kinder lassen ihn zu Boden plumpsen. Dann fassen sie sich an der Hand und gehen um ihn herum im Kreis, winden sich vorbei an Menschen und Lasten und singen mit übermüdeten Stimmen: ,, Ringel Rangel Rosen

-

Da springe ich auf. Ich bahne mir den Weg zum Ausgang, ohne auf das ,, Halt!" des Bunkerwartes zu achten. Der Sing- Sang der Kinder bleibt in den dicken Wänden, die ich hinter mir lasse.

Der Morgen graut, am Horizont wird es licht. Über den Wolken surrt es silbrig hell: Flugzeugmotore!

Ich gehe durch die stillen Straßen. Niemand hält mich zurück. Ich gehe weiter, immer weiter, um den Spuk der spielenden Kinder im Bunker zu bannen. Die Erde atmet Frühling und Leben. Diese uralte Erde, die doch ewig jung ist, jünger als ich, der Mensch! Der Tag nimmt mich auf. Auferstehung!-

Vom Bützower Schloßplatz klingen die Schläge der Turmuhr herüber. Ich zähle: Mitternacht, Ich richte mich etwas auf. Das Bett gleicht einer Berg- und Talbahn. Ich habe mich schon daran gewöhnt, von Zeit zu Zeit Matratzen und Kissen zurechtzurücken, um Hügel und Mulden auszu­gleichen. Ich wohne auf Nr. 12. Es ist eins der besten Zimmer im ,, Deut­schen Haus".

-

Es huscht über den Gang, leise; unterdrücktes Kichern. Ob es das kleine Dienstmädchen ist?

Wie dumpfig die Luft ist! Bevor ich mich legte, habe ich die Verdunke­lung beiseitegezogen und die Fenster geöffnet. Um die Luft in einem Hotel­zimmer ist es aber eigen bestellt! Es ist wohl gar nicht die Luft es sind die Gedanken. Sie bleiben zurück, auch wenn der Gast das Zimmer verläßt. In den hellen Nächten erkenne ich vom Bett aus die Umrisse des Plüsch­sofas und des Tisches mit der weißen im Kreuzstich bestickten Decke und dem Aschenbecher, der nach kalter Asche riecht. Neben der Tür steht der Waschtisch mit der unechten Marmorplatte, aus der eine Ecke herausge­brochen ist, und der Waschschale mit dem Sprung. Heiß und kalt wird mir bei der Vorstellung, sie könnte am nächsten Morgen beim Waschen zer­brechen.

Wie still es ist; wie allein ich bin! Ich blicke zur Wand. Dort ist es dunkel, aber Rahmen und Glas heben sich von der Tapete ab. Ein Kupfer­stich hängt über dem Bett. Morgens beim Erwachen sehe ich ihn als erstes, und abends, wenn ich das Licht ausschalte, ist es das letzte. Er hängt auf einer mit grauen Rosen bedruckten Tapete.

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Es ist nicht gut, wenn Kupferstiche wie dieser über einem Bett hängen, in dem man schlafen will. Ich schließe die Augen an der Wand hängt ein Bild des Todes. Ich aber will träumen vom Leben. Ich will träumen, es sei Friede, und ich kehrte in dieses blasse Hotelzimmer zurück und erfüllte es

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