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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Ja, wir sind alle mitschuldig geworden. Ein Gottesgericht, nieder­schmetternd-

Doch da

verstummen die Drommeten des Jüngsten Gerichts. Die Instrumente gehen über in Klänge sanftester Harmonie. Der Sturm hat sich gelegt. Die Taube mit dem Olzweig kommt und bringt uns Friede und Ver­gebung. Vergebung, weil wir nicht wußten, was wir taten.

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Der Friede der Musik geht über in Jubel nicht laut, sondern in tiefer laßt uns mit dieser Innerlichkeit. Nach Karfreitag folgte die Auferstehung

Gewißheit ins Osterfest gehen!"

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Nachts heult wieder die Sirene in das Dunkel: Krieg und Vernichtung. Noch klingen in mir das Brausen der Bachschen Fuge, das Donnern der Drommeten und das Schluchzen der Violinen. Doch der Ton der Friedens­harfe erstirbt im Huschen der vielen Schritte.

Die Schuhe stehen in Pfützen. Es tropft von den Wänden. Der Bunker ist am Tag zuvor mit einer Flut von Wasser gereinigt worden.

Es bleibt still; die Verbände biegen ab. Neue Anflüge werden aber ge­meldet. Es vergehen Stunden.

Ich sitze auf meinem alten Platz. Alles ist wie damals. War es im letzten Sommer oder ist es ein Menschenalter her? Neben mir auf der Holzbank ist die junge Frau. Sie hält ihre beiden Kinder auf dem Schoß, fest an sich gedrückt. Mit dem Fuß stößt sie sacht den Wagen. Aus den blaugewürfelten Kissenbezügen sieht ein müdes, bleiches Gesichtchen. Ein Bunkerkind! Da­mals erst wenige Wochen alt, jetzt schon fast ein Jahr.

Die Gesichter tragen alle den gleichen Zug, sei es nun das Kind oder die alte Frau. Der Hitler - Junge, der sich auf den Pfosten des Geländers stützt, oder der Arbeiter, der sich, vor Müdigkeit überwältigt, gegen die nasse Wand lehnt hoffnungslos starren sie vor sich hin. Von den durch­wachten Alarmnächten ist die Haut des Gesichts grau geworden. Sie warten nicht mehr weder auf das Ende des Krieges noch auf den ihnen ver­sprochenen Sieg.

Kein Angriff erfolgt, obgleich die Kampfverbände die Stadt überfliegen. Ihr Ziel liegt woanders. Die Stadt atmet auf: ,, Gott sei Dank! Diesmal haben wir Glück." Doch noch immer ist Alarm. Vielleicht tragen die Flugzeuge auf dem Rückflug noch Bomben bei sich? Eine ganze Stadt betet: ,, Hoffent­lich haben sie bis dahin alle Bomben abgeworfen."

Die Luft ist zum Ersticken. Die Kinder der jungen Frau wachen auf und weinen. Überall weinen Kinder. Es ist, als gehen jene kläglichen Laute durch den ganzen Bunker. Etwas später sind sie vor Übermüdung hellwach. Die beiden neben mir reißen sich los vom Schoß der Mutter und beginnen, lärmend über Koffer und Rucksäcke zu steigen.

Sie suchen und finden andere Kinder. Sie kommen noch einmal zurück und zerren das Jüngste aus dem Wagen. Die Mutter läßt sie laufen, zu müde, es ihnen zu wehren. Mit Geschrei geht es über Koffer und Kasten, sie bahnen sich ihren Weg zwischen den hockenden Menschen. Es setzt

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