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schlafen! Die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos werden mich nicht mehr schrecken.
Ich sehe zum Himmel auf, an dem müde Winterwölkchen stehen. Ich kreuze die Straße. Jemand packt mich am Arm, ich werde zurückgerissen. ,, Immer noch so unvorsichtig wie früher?" Ein Lastwagen rollt vorbei.
Neben mir steht ein Mädchen. Schwarzer Schlips, dunkelblauer Rock ; auf der braunen Kletterweste blitzt eine silberne Schnüre. ,, Kennst du mich nicht mehr?" fragt sie. Doch, ich erkenne sie wieder. Wir sind zusammen zur Schule gegangen.
,, Ich bin Ringführerin," erzählt sie mir. ,, Und du?" Sie wartet aber keine Antwort ab. Aufgeregt berichtet sie weiter: ,, Ich komme gerade vom Bann. Große Lagebesprechung" Ein Wortschwall ergießt sich über mich. ,, Mädelverschickung Lehrgang im Lager Schulungsabende-
Kriegseinsatz."
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,, Eigentlich wollte ich studieren, aber der Dienst im BDM ging vor. Und solange mich meine Mädel gebrauchen, bleib' ich dabei."
Phrasen? Forschend sehe ich sie an. Sie glaubt, was sie sagt; aus den Augen leuchtet ehrliche Begeisterung.
Als wir auf dem Bahnsteig stehen, besinnt sie sich plötzlich. ,, Ja- und was machst du?"
,, Medizin," antworte ich kurz.
,, Da hast du ein ruhigeres Leben als ich
An beiden Seiten des Bahnsteigs laufen die Züge ein. Wir trennen uns, sie fährt in entgegengesetzter Richtung. Gleichzeitig fahren die Züge ab. Ich bemerke noch, wie sie zum Abschied den Arm hebt.
Morgen beginne ich mein ,, ruhiges Leben," nehme ich mir vor, als ich im dichtgedrängten Abteil stehe.
Aber das braune Kletterwestenmädchen macht weiter Dienst. Soll ich wirklich aufgeben? Soll die Gegenseite wieder um einen ärmer werden? Was können wir Entscheidendes tun? Wir sind nur wenige; die Waffen sind zu ungleich. Mich verlangt nach Frieden!
In unserer Straße liegt noch das Laub vom Herbst. Die welken, braunen Blätter sind leichtgefroren. Auf dem Boden liegt etwas Blaues, als ich die Haustür öffne. Ein Brief; auf dem Umschlag klebt eine norwegische Marke. Eine steile, kindliche Schrift. ,, Dir verdanke ich es, daß ich noch am Leben bin. Du hast es vermocht, die Hoffnung in mir wachzuhalten. Spürst Du es nicht, daß ich Dir und unseren Freunden jeden Tag gute Gedanken sende?"
Die Haustür steht noch offen. Die Winterwölkchen am Himmel scheinen sich zu Noten zu formen.
Ich rufe den Pfarrer an. ,, Lassen Sie uns morgen nach Rendsburg fahren!' Warum?"
,, Ich werde es Ihnen erklären, wenn wir uns sehen."
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