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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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In mir leben der Tag und das Wunder der Nacht. Rhomben, Dreiecke und Parallelogramme am Himmel, Trümmer und Häuserfassaden mit leeren Fenstern auf der Erde. Krieg und Vernichtung Blühende Kastanien im Totenmonat

Lebens.

-

Sterben.

Wunder der Neuerstehung des

Auf dem Präparierboden ist es naẞkalt. Der Saal ist niedrig und sehr lang, eine Holzbaracke. Durch das Fenster kommt trübes Licht. Mich fröstelt. Ich schlage den Kragen des weißen Kittels hoch, als ob er mir Wärme geben könnte.

In Wirklichkeit bin ich übermüdet. Es ist spät geworden in der ver­gangenen Nacht. Und dann habe ich unruhig geschlafen.

Die Erlebnisse des langen Tages haben sich im wirren Traum qualvoll verwischt. Der nächtliche Himmel ist zur stahlblau getünchten Wand geworden. Die Rhomben, die Scheinwerfer über den Himmel gelegt haben, gleiten über in Stäbe und Gitter. Plötzlich sehe ich wieder die verlassene Pritsche. Am Fußende der Matratze die beiden säuberlich gefalteten Decken

,, Gestorben?"

Frederik nickt.

Da stürzen die Häuserfassaden, über die das Mondlicht fließt, zusammen. Nur fort von dem Sterbenden! Wo ist Leben? Ich suche nach Leben! Fieberglänzende Augen fragen mich: ,, Werde ich leben?" Es ist Björn. Ich blicke mich um. Ich renne, renne! Über holprige Steine, über Trümmer­haufen wo ist die Kastanie? Ich will sie noch einmal blühen sehen. Aber ich finde sie nicht. Sie ist so weit fort, daß ich ihre Kerzen nur als schwache Pünktchen erkenne.

-

Die zerrissene Gegenwart ist näher als das Wunder einer neuerblühten Kastanie.

Frederik und Björn warten. In sechs Wochen geht das Jahr 1943 zu Ende, das Jahr, das die Freiheit bringen sollte, Björn!

Ich schließe die Tür, sie klemmt sich. Ich bin allein. Ich habe das Anatomiebuch mitgenommen; ich komme nicht so häufig zum Präparieren wie meine Kommilitonen und muß jede freie Minute nutzen. Oft komme ich daher schon morgens.

Im Saale aufgebahrt liegen Leichen. Der süßliche Geruch nach Forma­lin macht flau. Die Leiche, an der ich präpariere, liegt sehr weit hinten. Der Boden hallt unter den Schritten. Vielleicht gehe ich besonders laut, denn ich bin doch das einzig Lebendige in diesem Saal.

In stummer Reihe liegen gelbe, ausgezehrte Körper. Leichen von ver­storbenen Gefangenen und von Hingerichteten, die die Justiz der Anatomie zur Verfügung gestellt hat.

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