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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Die Fahrkarte gleitet über die Scheibe. Ein Blick hinaus. In silbernem Licht liegt der massive Bau. Im milden Schein verschwimmen die harten Konturen der kantigen Mauern und Gitter. Das Schlüsselgerassel, das Klappern der Holzpantinen und das Knarren der Riegel verklingen wie ein ferner Spuk.

Donnernd rollen die Räder vom Land auf die Brücke.

Nach Hause! Ist es noch die alte Geborgenheit? Ein braunes Jahrzehnt hat unser Haus nicht verändern können. Aber wir selber sind andere geworden! Ein starrer Blick hält auch uns, die ihn hassen, in seinem Bann. Er macht uns rastlos, nimmt uns die Sicherheit. Nie wissen wir, wann jene starren Augen sich auf uns richten werden, wann die ver­schränkten Arme sich lösen, wann der Arm sich hebt. Mit einem Wink seiner Hand kann er uns zerschmettern. Hinter ihm steht das Heer der Gestapo . Er nahm uns den Frieden, er brachte uns alle Schrecken des Krieges.

Die Räder rollen. Im Abteil ist es still. Das Mondlicht hellt die Ge­sichter auf, sie gleichen stummen Masken. Wir fahren durch die Ebene. Meine Gedanken sind noch in der Zelle, wo für einen kurzen Augenblick Friede und Beruhigung über mich kam.

Aber dann gleiten die Wiesen und Äcker in Siedlungen über, in Vor­stadtgärten. Die Fahrt wird langsamer. Der Mond steht hoch am Himmel, sein Licht wird härter. Scheinwerfer flammen auf. Ihre Kegel bilden selt­same Figuren am Himmel: Parallelogramme, Dreiecke, Rhomben. Die ersten Trümmer tauchen auf. Gespenstisch fließt das Mondlicht über die Häuserfassaden. Hinter jedem leeren Fenster ein Schicksal, unter den Trümmerhaufen gebrochene Augen. Der Zug fährt langsam wie ein Leichenzug.

Trümmer, Ruinen und Krieg! Wohin ich sehe, nur Untergang!

Da plötzlich spannt sich mein Blick! Ich glaube, ein Wunder geschieht. Ich presse das Gesicht gegen die Scheibe, weil ich fürchte, das Wunder könne zerrinnen, noch ehe ich es in mich aufgenommen habe: Im silbernen Licht stehen vor den Ruinen an der Straße die Kastanienbäume in voller Blüte, über und über besät mit Kerzen. Mitten im November im Totenmonat!

-

Die Hitze der brennenden Stadt hat die Bäume zu neuer Blüte getrieben. Die Kerzen der Kastanien, die sich an dem Feuer der Vernichtung ent­zündet haben, werden zu tröstlicher Botschaft.

Was kümmern mich noch der dunkle Bahnhof, die hastenden Gestalten, die tönerne Stimme, die im Lautsprecher verkündet, es sei Alarm. Ich reihe mich ein in den Menschenstrom. Ist der Pfarrer noch neben mir, oder trennt uns das Gewirr der Masse, die sich Stufe um Stufe zum Bunker herunterschleppt, vorwärtsgetrieben durch heisere Kommandorufe?

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