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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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endlich vor, nicht noch drei Tage länger warten müssen. Ja, wir rechnen schon mit Tagen! Wir müssen Frederik stützen, als er photographiert wird.

Es wird November. Ich bekomme aus Berlin einen Brief, Hotel Bristol als Absender. Kein Name. Der Brief ist Dänisch geschrieben, die Unter- schrift nur gekritzelt.-Versuchen'Sie, alles für Frederik zu tun. Sagen Sie, daß seine dänischen Freunde sich für ihn in Berlin an höchster Stelle verwenden."

Ein Paket folgt. Am nächsten Tag geht es wieder nach Rendsburg .

Frederik lächelt schwach, als ich den Brief vorlese.Ach. die höchste Stelle! i

Dann rafft er sich auf, doch Husten und Heiserkeit sind stärker. Im Gesicht zuckt es, als müsse er etwas sagen, was ihn bedrängt. Stockend beginnt er endlich:Ich: habe über deine Worte nachgedacht, über deine Angst vor dem Tage, an dem der Bann gebrochen ist und die Abrechnung kommt. Ich weiß auch, was du befürchtest. Du fürchtest den Haß! Denn Haß wird neuen Unfrieden schaffen und wir brauchen. Frieden.

Die Stimme wird ruhiger:Frieden! Er zeigt auf den Brief, den ich noch in der Hand halte, und sagt leise:Habe ich dir erzählt, wie ich mit Dänemark Freund wurde?:

Warst du es nicht immer?":

Durch das heisere Räuspern klingt es beinahe wie ein Lachen.Nein, ich war sogar einmal der unfriedlichste Mensch, den du'dir denken kannst. Lange Zeit stand ich mit Dänemark auf Kriegsfuß. Es ging um den Besitz Grönlands . In Zeitungsartikeln, in öffentlichen Reden, bei jeder Gelegen- heit griff ich Dänemark an. Ich vertrat die Ansicht, daß auch Norwegen ein Recht auf Grönland habe. Bald aber wurde es so, Frederik sieht auf die stahlblau getünchte Wand,daß es mir weniger um die Sache selbst als um den Streit ging. Ich ereiferte mich und wurde ungerecht.

Frederiks Stimme ist jetzt so klar, wie ich sie seit vielen Monaten nicht gehört habe.

Eines Tages nun, fährt er fort,vollzog sich in mir eine Wandlung. Ich erkannte, daß es Dinge gibt, um die es sich mehr zu kämpfen verlohnt. Ich sah, wie weit wir im Völkerleben vom Frieden entfernt sind. Ja, hatte ich nicht auch dazu beigetragen,.den Unfrieden noch zu vergrößern!

Ich reiste nach Dänemark . In der kleinen Stadt Odense schloß ich Frieden

mit mir und der Welt. Auf einer Versammlung bekannte ich vor drei- tausend Dänen den Irrtum, in dem ich bis. jetzt ge hatte und ich wurde verstanden!

Frederik wendet den Kopf zu mir hin und sagt mit Eindringlichkeit: Ich glaube, gerade im Völkerleben sollten wir viel mehr den Mut zeigen, Bias jener Unrecht zu bekennen. Und-die, welche dann immer noch hassen, sollten denen, die zur Sühne bereit sind, auf halbem Wege ent- gegenkommen.:{

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