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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Der Nebel vor den vergitterten Fenstern wird lichter. Ich verstele, warum mir Frederik dies sagt. Aber," halte ich ihm entgegen ,,, wird man uns glauben, wenn wir eines Tages bekennen und bereit sind zur Sühne? Wird nicht Haß und Mißtrauen jeden Versuch zur Versöhnung im Keim. ersticken?"

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,, So habe ich auch einmal gedacht," sagt Frederik. ,, In Odense noch wenige Stunden vor der Versammlung, wollten Zweifel mich überwältigen. Doch ich wagte es, und man glaubte mir-."

Dann richten sich seine Augen auf mich: ,, Die Völker können nur Frie­den untereinander halten, wenn wir Frieden mit uns selbst schließen." ,, Es ist das Schwerste, Frederik. Ein ganzes Leben gehört dazu." ,, Du mußt darum kämpfen jeden einzigen Tag!"

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Habe ich diese Worte nicht schon einmal gehört? Der Mensch, der sie mir sagte, muß mir nahestehen, denn sie haben sich mir eingeprägt.

Frederiks Gesicht ist wächsern. Er hat zu lange gesprochen. Tiefe Schatten sind unter den Augen. Vom Turm her schlägt eine Uhr. Es wird still in der Zelle. Auch Björn und der Pfarrer schweigen. Wir zählen die Schläge. Als der elfte verhallt, geht durch die Zelle eine Ahnung, daß wir das letztemal beieinander sind.

Das vergangene Jahrzehnt hat uns das Abschiednehmen und das Aus­einandergehen fürchten gelehrt. Nie werde ich sie vergessen können jene Augenblicke, die zu Marksteinen werden. Bahnhöfe tauchen vor mir auf, die von lärmendem Leben und Braunhemden erfüllt sind. Irgendwo vor dem langen Zug ein verstohlener letzter Händedruck. Ein Veilchenstrauß, die Stimme meines Bruders, der unseren jüdischen Freun­den, die die Heimat verlassen müssen, Heines Worte zum Abschied sagt: ,, Anfangs wollt' ich fast verzagen, und ich glaubt, ich trüg' es nie. Und ich hab' es doch getragen, aber fragt mich nur nicht, wie

Und die Bahnhöfe werden dunkler. Es ist Krieg. Das lärmende Leben wandelt sich in gespenstisches Treiben. Graue Uniformen, fahle Gesichter. Kaum erkennen wir noch einander. Wir nehmen Abschied von meinen Brüdern. Zum letztenmal? Gibt es ein Wiedersehen? Der Zug rollt aus der summenden, finsteren Halle. Wir sind allein

Im Herzen ist Bitternis. Diese Zeit trennt nicht nur, sie nimmt uns einen nach dem anderen. Sie nimmt uns die, die wir lieben.

Warum muß es so sein? Warum?

Frederik nimmt meine Hand: ,, Heute frage ich nicht mehr, wann ich nach Hause komme. Es liegt.in Gottes Hand."

Er bittet mich, seiner Frau zu schreiben. Auch der Pfarrer muß es ihm versprechen. Wir wissen, es ist der Abschied! Zum letztenmal reiche ich Frederik die Hand. Er dankt mir für das, was ich für ihn getan habe. Doch ich finde, ich muß danken.

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