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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Vier eiserne Bettstellen sind in der Zelle, an jeder Wand zwei. Anfangs war noch außer Björn und Frederik ein Dritter da ein deutscher Ge­fangener. Nur wenige Wochen lang. Wir gaben ihm die Hand, wechselten einige Worte mit ihm, aber dennoch stand seine Pritsche wie eine ver­lassene Insel an der stahlblau getünchten Wand. Wenn wir uns mit Frederik oder Björn unterhielten, war ich oft im Untergrund meiner Ge­danken bei diesem Dritten. Irgendwie schmerzte mich die Vorstellung, daß der Deutsche sich doppelt allein fühlen mußte, wenn er sah, wie ver­traut wir mit den beiden Norwegern waren.

Jetzt ist der blaugewürfelte Bezug von jener Bettstelle entfernt. Einige stachlige Strohhalme stechen aus der schmalen, mit Sackleinwand be­zogenen Matratze. Zwei dünne, säuberlich gefaltete graue Wolldecken liegen am Fußende.

Es ist still neben mir. Der Hustenanfall ist vorüber. Frederiks Augen folgen meinem Blick.

,, Gestorben?"

Er nickt.

In das Gefühl meiner Machtlosigkeit mischt sich Scham. Wieder ist einer einsam gestorben, ohne daß wir seiner gedachten. Unser Gruß galt Frederik und Björn, wenn wir zum Fenster hinaufwinkten. Was bedeuteten schon der Händedruck und die paar freundlichen Worte, die während des Besuches bei den beiden anderen für den Dritten abfielen? Noch immer starre ich auf die leere Bettstelle, über der, wie mir scheinen will, sich Angst, Verzweiflung und Alleinsein ballen.

Frederik macht einen Versuch, zu sprechen. Der Husten hindert ihn daran. Er hebt die Hand und zeigt auf das eiserne Tischchen neben sich. Obgleich es mir zunächst steht, entdecke ich es erst jetzt, darauf ein Glas Wasser und ein Arzneifläschchen. Soll ich ihm die Tropfen reichen? Er schüttelt den Kopf. Seine Augen weisen auf ein aufgeschlagenes Buch. Ich nehme es zur Hand, es ist das neue Testament. Zwei Zeilen sind dünn mit Bleistift unterstrichen: ,, In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden."

-

Tage und Wochen vergehen. Es fällt noch keine Entscheidung. Wir sind weit im Oktober. Draußen regnet und stürmt es in der Kranken­zelle steht es schlecht. Die Anträge auf Strafaussetzung schleppen sich träge weiter. Sie bleiben auf jeder Dienststelle erst einmal liegen. Oder sie laufen verkehrt, dann müssen sie zurückgereicht werden. Wieder tage­lange Verzögerung.

Wir bitten den Oberinspektor um die Genehmigung, schon jetzt Paẞ­bilder von Frederik und Björn anzufertigen. Er kommt uns entgegen. Wir sind ihm dankbar, denn es bedeutet, daß wir, liegt die Strafaussetzung

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