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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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benutzen sie das Kübelpapier, der Faden, den sie am Webstuhl verspinnen, ist so lang, daß er von hier bis nach Norwegen reichen würde.-

Wir geben, was wir können. Erst sind es nur der norwegische Pfarrer und ich. Später, als ich auch Dolmetscherin für die dänischen Gefangenen werde, kommt noch der dänische Pfarrer hinzu.

Die Pfarrer stehen als Vertreter der Seemannsmissionen- in ‚Deutsch- land auf einem'gefahrvollen Außenposten. Sie werden von der Gestapo überwacht. Nicht anders ergeht es mir, obgleich ich selbst überwachen

"soll. Vor der Gestapo sind wir alle gleich!

So verrichten wir. stumm unsere Arbeit. Wir sehen einander nur auf der Reise oder wenn es etwas Dringendes zu besprechen gilt. Neben und hinter uns steht immer das drohende Gespenst der Gestapo .

Schweigend tragen wir unsere Koffer hinein. Der eine sieht erst den

"Inhalt des Koffers vom anderen, wenn er in die Tasche des schwarzen

Jacketts gleitet. Nichts Genaues weiß ich darüber, welche Hilfsorganisation hinter dem Pfarrer steht und ihn stützt. Nicht anders ergeht es ihm mir gegenüber.!

Hinter ihm seine Heimat, ein Volk, dessen Vertreter er ist. Hinter mir? Meine Familie und sehr wenige zuverlässige Freunde.

Darüber hinaus haben der Pfarrer und ich einige gemeinsame Freunde. Eigentlich sind es die Freunde der Gefangenen, doch wie könnte es sein, daß nicht auch wir uns dann ihnen verbunden fühlen? Es sind deutsche Arbeiter, die in den Rüstungsfabriken und auf Außenkommandos mit den Gefangenen in Berührung kommen.-

Es dauert nicht lange, so stehe ich in regelmäßiger brieflicher Ver- bindung mit ihnen. Sie wachen für uns, denn wir können nicht überall zu- gleich sein. Wir schicken ihnen Geld und Pakete.

Sie helfen den Gefangenen. Mir aber geben sie aufs neue den Glauben, der in den vergangenen Jahren ins Wanken geraten. ist: Das verborgene Deutschland lebt! Nicht nur hinter den Mauern, auch draußen. Eine gute Tat von ihnen, den Unbekannten inmitten der lärmenden braunen Masse, stählt wieder meinen Willen. Das Heer aus dem verborgenen Deutschland hält keine Propagandareden. Es hat nur eine Waffe: die gute Tat in der Stille. i

Und doch reichen Koffer und Taschen nicht aus, um Hunderte von Ge- fangenen zu versorgen. Nur eins bringen wir ihnen allen zugleich viel- leicht bedeutet es ihnen am meisten: die Wahrheit.

Die Gerüchte zehren an den Gefangenen wie eine Krankheit. Sie machen sie. unsicher, versetzen sie in einen Zustand zwischen Hoffen und Bangen. Sie sehnen sich nach der Wahrheit, mag sie auch bitter sein. Anfangs können wir nur bestätigen, was die Siegesfanfaren schon bis in die letzte Zelle geschmettert haben. Aber als sie verstummen, als die Sondermeldungen

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