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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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ausbleiben und statt dessen die Zuchthausluft schwirrt von geheimnisvollen Andeutungen der Grünen überVergeltung!Wunderwaffe oderIn. vierzehn Tagen geht es los!, als jeder Tag länger Hunger und Frieren bedeutet und das Warten kaum noch zu ertragen ist, da machen die politischen Berichte, die wir während der: Besuche geben, die Unruhigen ruhig, die Zweifelnden fest. f

Im Zuchthaus sind viele Spitzel. Sie sind in grüner Uniform, aber auch!

in der schwarzen mit den gelben Streifen! Deutsche und Ausländer; jede Nation hat ihre Verräter! Es gibt nur vier Wände in der Anstalt, die keine Ohren haben. Das ist das Zimmer, in dem wir sitzen.;

Unsere Freunde hören, und sind sie zurück in den Zellen, arten sie einige Tage. Erst dann sickert es von Zelle zu Zelle. Nie sagen sie:Der Pfarrer und die Dolmetscherin haben gesagt.

Spitzel im Zuchthaus haben feirie Ohren. Über uns erfahren sie nichts. Die Gefangenen sagen:Wir haben gehört, daß." Da alle Gerüchte so weitergegeben werden, kann niemand es hindern, daß auch die Wahr- heit an die Tür der Zelle klopft.

Wir bringen ihnen Brot undWahrheit. Die Gefangenen strecken auch mir der Deutschen die Hand entgegen. Wir werden Freunde. Es ge- lingt, das Mißtrauen die hohe Mauer, die diese Zeit zwischen Mensch und Mensch errichtet hat zu überwinden.;

Ich bringe keinen Sprengstoff in die Anstalt. Ich versuche nur das Ge- bot, nach dem jede Seele in diesem erbarmungslosen Lande lechzt, zu er- füllen: das Gebot der Menschlichkeit.

Und doch ist das Vertrauen, das mir in immer steigendem Maße auch von den Chefs der Anstalten entgegengebracht wird, oft für mich be- drückend. Ich muß ihnen gegenüber unwahr sein, um im Verborgenen Gutes zu tun. Wie vielen anderen wird es auch so ergehen? Allen denen, die nicht träge sagen:Wir müssen ja, sonst"

Es gibt Stunden, in denen die Last der Unwahrheit, die um einer guten Tat-willen geübt werden muß, mich zu Boden drückt. Aber dann wieder steht das Wort, das einst mein Vater uns aus dem Jakobusbrief vorgelesen hat, wegweisend vor mir:Denn wer da weiß, Gutes zu tun und tuts nicht, dem ist Sünde.

Wir gehen über ausgefahrene Wege. Der Lehm klebt an den Schuhen. Die Erde ist braun. Es rinnt vom Himmel. In diesem Jahr wird es sehr früh Herbst; auf den tiefliegenden Wiesen dampft nasser Nebel. Über den

Wolken surrt es. Die Sirene hat getutet, als unser Zug. auf der kleinen.

- Station angekommen ist.; Wie weit ist es noch? frage ich den Pfarrer. Wir tragen schwere

Mappen.

Ei durch Himm

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