Druckschrift 
Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
Seite
140
Einzelbild herunterladen

Lila des Abends in graue, schwül aufsteigende Wolken über. Das Gelb des Kornes verblaßt. Das saftige Grün der Wiesen wird dunkler, sumpfiger, wandelt sich zu lehmigem Braun.

An schiefwinkligen Katen vorbei biegen tiefspurige Wege von der Landstraße ab. Sekundenschnell gleiten die Augen über ein gelbes Schild mit schwarzer Beschriftung, ein Wegweiser an einem der Nebenwege: Nach Schülp 2 km..

Wolken kriechen in der Dämmerung über den Himmel.:

Die Lastwagen rollen mit ihrer Fuhre. Ein schwacher roter Schein glüht im Süden. Sie kommen aus der brennenden Stadt! Sie fahren hinein in die Schwärze der Nacht.

Die vom Wasser geschwollenen Beine sind vom langen Stehen wie ab- gestorben. Aber im Herzen glimmt immer noch Hoffnung. Sie fahren nach Norden!

Die schwachen Lichter einer verdunkelten Stadt blinken auf. Donnernd fahren die Wagen über eine Brücke. Sie fahren durch stille Straßen. Die ineinander geschachtelten Häuser schlafen im tiefen Frieden.

Das Rollen ebbt aus, die Wagen halten.;

Vor den Gefangenen erhebt sich schwarz und schweigend ein schwerer, massiver Bau.

Die Grünen springen vorne vom Wagen. Das grelle Licht der am Koppel hängenden Lampe blinkt auf. Stolpernd suchen sich die Stiefel über das steinige Pflaster den Weg zum Tor.- Die Hände finden den Glockenzug. Langgezogenes, ungeduldiges Klingeln durchschneidet die Stille der Nacht.

Da geht gleich einer Welle von Wagen zu Wagen ein Seufzer. Wie ein letztes Fünkchen Hoffnung springt die Frage auf:Vielleicht nur eine Sta- tion am Wege?":

-Doch im Licht der aufblinkenden Lampe geben die düsteren Schatten der Mauern die Antwort.

Die Gefangenen stehen und warten wie am Morgen des Tages. Sie warten darauf, daß das Tor sich öffne. Nur für einen kurzen, hellen Sommertag gab die Mauer sie frei. Ein blauer Himmel, ein zärtlicher Strahl Sonne, ein blutroter Ball und ein zartes Lila: Ein erstes Ahnen der Freiheit!

Lastend senkt sich die Schwüle über die Wartenden. Dumpf rollt es in der Ferne; ein Gewitter zieht auf. Hoch über den spannungsgeladenen Wolken ziehen Kampfflugzeuge mit Bombenlasten dahin; silbrig surren sie durch die grollende Nacht.

Durch den tief- hängenden Himmel jagt ein Blitz. Leises Rollen ist die

Antwort. Dann zuckt es auf schneidender, greller. Stampfend rückt den

Donner näher. Sie reißen noch einmal den Klingelzug. Sie schimpfen und bearbeiten mit den Stiefeln das Tor. Das Eisen ächzt unter den Tritten. Hinten im Wagen fragen sie einander:Wo sind wir?"

149

Anw auf.

Man! Grei kaun

Erg

fahr: