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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Sand haftet darauf. Ich kratze ihn etwas ab und entziffere: Gefallen vor Verdun am 1. 8. 1916.:

Aus einem der ausgebrannten Häuser hat es der Sturm heute nacht hierhergetragen. Das Papier ist vergilbt. Uber zwei Jahrzehnte hing es im Rahmen in der Stube über dem roten Plüschsofa, und der matte Schein der grünen Hängelampe verklärte das süße Lächeln des Engels und die fried- lichen Züge des Soldaten.

Der Engel mit dem Palmzweig gleitet zurück in den Mörtel. In den ausgebrannten Ruinen zuckt es hier und da auf. Ein blaues Flämmchen; eine grelle Stichflamme: Phosphor! Er wird weiterkriechen, tückisch, un- bemerkt.:

Das Menschenknäuel hat sich entwirrt. Die Menge klettert weiter weg in der benachbarten Straße. So trete ich aus dem Toreingang und ziehe weiter im Menschenstrom.

Doch noch einmal stockt der Schritt. Auf den Stufen einer halb ab- gebröckelten Treppe sitzt ein Kind. Es kann nicht älter als vier Jahre sein. Die Hände sind wie im Gebet gefaltet. In dem blassen Gesichtchen sind die Augen unwahrscheinlich groß. Sie starren auf die blauen Flämmchen, sie bohren sich in die Trümmer, in die leeren, ausgebrannten Fenster, aus denen zerfetzte Gardinen wie verkohlte Strünke baumeln. Hinter den Löchern der. Häuserfassaden erheben sich die Umrisse endloser Trümmer- berge, aufgerissener Wände, Ruinen, Mörtel und Schutt. Wie ein summen- der Bienenschwarm zieht die Menge an dem Kind vorbei. Seine Augen sehen auch mich an, doch so, als ob sie-mich nicht bemerkten. Unter den Augen sind tiefe, nachtblaue Schatten. Ich wende mich ab; die schmächtige kleine Gestalt ist die eines Kindes, doch die stummen, hilflos verwunder- ten Augen gleichen denen eines Greises.

Weiter, weiter! Schon über. eine Stunde dauert der Trümmermarsch. Sind wir am Sternschänzenbahnhof? Sollten wir schon am Untersuchungs- gefängnis vorbei sein? Bin ich zu weit nach rechts abgekommen und schon in der Nähe der Reeperbahn? Kein Straßenschild weist den Weg. Ich erkenne die Straßen nicht wieder.

Doch da ist dieGrenze! Schlagartig ändert sich das Bild. Keine Trümmer mehr, keine ausgebrannten Fassaden, nur noch herausgerissene Fenster und Türen und abgedeckte Dächer. Nach zwei Nächten haben die Bomben erst den Rand der Innenstädt erreicht. DerBogen Millimeter- papier wird vom Westen nach Osten durchpflügt.

Jenseits derGrenze neben dem Untersuchungsgefängnis liegt das Physikalische Institut der Hamburgischen Universität. In die Mauer über dem Eingangstor ist.eine Uhr eingelassen. Das Ziffernblatt ist unbeschä- digt, aber die Uhr ist stehengeblieben.

Vor dem Eingang entdecke ich den Professor. Er sieht sich suchend um, Wir sollen bei ihm in einer:Gruppe zu vieren in der Physik geprüft

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