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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Und die deutschen und ausländischen politischen Strafgefangenen? Sie sind die Untersten. Sie sind die Niedrigsten und Ärmsten sie sind die Verbrecher des Dritten Reiches . Man pfercht sie in den Kohlenkeller des Werkes!

Sie liegen auf den Kohlen. Sie denken nicht an die Bombe, die die Decke durchschlagen kann, und strecken den schmerzenden Rücken. Sie legen sich auf die Kohlen. Zigaretten glimmen auf. Kein Wachtmeister ist da. Er hat die Türen verriegelt und sich zum Bunker geschlichen. Sie sind frei. Sie finden Vergessen im Schlaf, oder sie unterhalten sich flüsternd. Die Kohlen kullern und knacken.

,, Otto sagt, nur noch einen Kasten! Dann ist das Material für diese Nacht alle

,, Hast du den Suppenwagen schon gesehen? Otto sagt, es gibt heute Kohl"

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,, Mein deutscher Zellenkamerad gab mir ein neues Rezept. Sie nennen es, Heidesand'! Ein Pfund Butter, ein Pfund Zucker und ein Pfund Mehl. Gut verrühren. Eine lange Rolle daraus kneten und dann schneiden in Es soll zwischen den dicke Taler. Goldgelb im Ofen bräunen lassen. Zähnen knirschen wie richtiger Sand

,, Und nach Frieden schmecken!"

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,, Ich kenne ein noch viel besseres Rezept. Du nimmst

Die Kohlen knacken und kullern. Tief hängt die Decke darüber. Sie müssen über die Haufen kriechen. Auf einem Brett steht die Karbidlampe. Zwei Männer knien davor Christian und Sigurd.

Christian zeichnet. Ein kleiner Zettel liegt vor ihm. Das Holzbrett ist die Unterlage. Die Hand wirft schwarze Schatten auf das Papier.

Sigurd dichtet; der Bleistift kritzelt. Tief holt er Atem. Du atmest Kohlenstaub, Sigurd! Warum streicht deine Hand über die Kohle? Warum bröckelst du sie und läßt sie durch die Finger gleiten?

-

Es ist Mitternacht! Sigurd steigt in die Traumbahn. Sie bringt ihn zurück ans Meer. Die Füße schreiten über den weißen Sand. Er glitzert und atmet Leben. Am Himmel steht der Mond eine goldene Scheibe. Die flattern­den Noten sind zu schimmernden Streifen geworden. Das Brausen des Meeres wird zum leisen Rauschen und Plätschern Sanft gluckst es dem Sand entgegen.

Sigurd wandert Stunde um Stunde. Auf dem sich kräuselnden Meer liegt eine silberne Brücke. Die Füße baden im Sand. Der Gang wird lang­samer. Sigurd läßt sich nieder, die Meereswellen tragen ihm silberne Stufen entgegen.

Die Hand taucht in den Sand. Dann hebt sie sich. Durch die Finger rieseln feine Körner.

Die Nacht singt das Lied vom Frieden.

Der Sand rieselt zu Boden. Sigurds Hand wird zur Sanduhr.

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