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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Der norwegische Lektor der Hamburgischen Universität hat die Ge­nehmigung bekommen, einen seiner gefangenen Landsleute zu besuchen. Wir stehen in der Untergrundbahn und fahren zum Kettenwerk. Es liegt am Rande der Stadt.

Schwer lastet der Sommer. Die Luft in der Bahn nimmt den Atem. Mensch steht an Mensch.

Vor drei Jahren sah ich den Lektor zum letztenmal. Es war in der Uni­versität. Er sieht mich forschend an. Ich lese seine Gedanken. Drei Jahre sind eine lange Zeit. Habe ich mich verändert? Drei Jahre sind verflossen seit jenem Tage im Juni 1940. als er in die Vorlesung kam und uns atem­los mitteilte, Paris sei gefallen. Als er mich ansah mit einem Blick, der mir sagte, daß er mich verstand.

Drei Jahre eine lange Zeit! Wir sind mißtrauisch im Dritten Reich. Kettenwerk! Der Name klingt nach Ketten und Sklaven. Wir wollen Sigurd besuchen. Noch kenne ich ihn nicht. Aber welch ein Mann muß er sein, der sein Todesurteil lächelnd hinnimmt, der, als er vom Gerichts­hof befragt wird, was er dazu zu sagen habe, antwortet: ,, Nichts!"

Als ich einmal glaubte, die Freiheit sei für immer zerbrochen, weinte ich. Sigurd aber hat gelächelt, als alles für ihn verloren schien.

Wir gehen über die staubige Landstraße. In der Ferne taucht das riesige Fabrikgelände auf. Stacheldraht, dahinter die Kuppeln von vielen Hallen, Betonbunker und Fabrikschornsteine. Die Wände sind übermalt mit grün­blau- grau- braunen Flecken. Von Halle zu Halle spannen sich Netze aus. künstlichem Zweiggeflecht.

Der Lektor geht neben mir. Bis jetzt haben wir nur wenig miteinander gesprochen. Er kennt mich nur als die Studentin von damals. Heute trifft er mich wieder als die Überwachungsbeamtin eines Zuchthauses. Er zeigt auf die farbigen Wände, auf das Gewirr von Netzen und sagt: ,, Alles Tarnung."

Er sieht mich dabei vielsagend an, es klingt wie eine Frage.

Da antworte ich lachend: ,, Ja, alles Tarnung!"

Das Eis ist gebrochen. Wir sind wieder die alten Freunde.

Der Lektor fragt: ,, Wissen Sie noch

,, Habe ich mich verändert?"

,, Nein, gar nicht!"

-

-?"

Von weitem wirkt das Fabrikgelände mit dem grünblättrigen Netzwerk über den Kuppeln der Hallen wie ein zu groß geratenes Spielzeug für Kinder. Doch als wir den Stacheldraht entlanggehen, wird das Spielzeug zur Vernichtungsstätte. Sengend liegt die Sonne darüber. Das Tarnwerk hängt zwischen Himmel und Erde. Tiefblauer Himmel! Unter den Netzen eine schwarze Stadt! Halle reiht sich an Halle. Kaum sind die Umrisse zu unterscheiden. Doch an der Wand unter den Kuppeln sind Nummern.

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