dem Kübel. Sie ziehen sich an. Sie arbeiten. Sie essen. Sie starren vor sich hin. Das Auge" sieht alles.
Die Wäsche steht vor Schmutz. ,, Einmal in der Woche frische Wäsche", sagt das Reglement. Jede Woche wird das graublaue Halstuch gewechselt. Meldung nach oben: ,, Befehl ausgeführt."
Doch die übrige Wäsche tragen sie schon seit sechzehn Wochen!
Das Reglement schreibt vor: ,, Alle vierzehn Tage ist der Gefangene zu baden."
,, Alle Mann antreten!"
Kaum dreißig Sekunden steht jeder unter der Brause.
,, Befehl ausgeführt."
Zurück in die Zelle, an die Arbeit. Noch drei Stunden bis zum Abend. Dann gibt es zwei Schnitten Brot.
Es gibt ,, gelernte" und ,, ungelernte" Arbeiter im Zuchthaus. Die einen sind Handwerker und die anderen Tütenkleber oder Tauzupfer. Die Handwerker bekommen mittags ein viertel Liter Suppe mehr. Eine Kelle Kohlblätter und Wasser! Von dieser Kelle hängt das Leben und die Seligkeit ab. Sie füllt nur, macht nicht satter, aber bei den Ungelernten" steigert sich dieses Viertelliter ins Unermeßliche. Eine Kelle mehr! In den Wachträumen wächst die Kelle, wird breit, wird riesig, schwimmt dick voller Kartoffeln und Kohl und macht die Seelen derer, die sie nicht haben, krank vor Neid.
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Sie arbeiten zehn Stunden. Sie sitzen in der gleichen staubigen Luft, ob sie nun schneidern, Bücher einbinden, Setzer sind oder Tau zupfen und Tüten kleben. Es ist Zufall, ob man Handwerker wird oder ,, ungelernter", Arbeiter.
Aber die Kelle! Die Kelle!
Neid und Miẞgunst sind die besten Helfer der Grünen. Hunger macht gefügig. Für etwas Tabak oder Priem kaufen sie Seelen.
,, Vier Scheiben Brot und drei Röllchen Priem für deinen Trauring", sagt der Grüne.
Vier Scheiben Brot! Die Zähne knirschen. Vielleicht ist ein Kanten dabei. Und dann der Priem. Das Wasser läuft im Munde zusammen. Einmal wieder einen anderen Geschmack haben als den der fauligen Steckrübe. Ein kurzer innerer Kampf. Der Trauring gleitet vom Finger.
Wer wagt es, einen Stein zu werfen auf den, der seine Seele für ein Stück Brot verkauft? Er ist hungrig.
Ich sitze im Bunker. Der Baumeister hat ihn für sein Volk gebaut. Die Bunker sind die Kirchen des Dritten Reiches ! Hier brodelt das Leben wie in der Zelle im Zuchthaus.
Aber noch brennt das Licht. Noch stehen die Bunker unerschüttert.
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