Druckschrift 
Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
Seite
92
Einzelbild herunterladen

Doch es gibt auch solche, die anständig sind aus Gesinnung. Sprichst du eigentlich vom Wachtmeister des Zuchthauses oder vom Unteroffizier auf dem Kasernenhof?

Von beiden! Ist nicht der Mensch an sich eine Mischung von Gut und Böse? Ist es nicht überall so? In der ganzen Welt?

Nur mit einem Unterschied! Alles ist Willkür im Dritten Reich, und die Willkür hat sogar noch Methode. Eine geordnete Unordnung!

Sie treten nach unten. Sie erstarren zu Marionetten und legen die Hände an die Hosennaht vor denen, die über ihnen sind. Die Befehle kommen von oben, sie sind auszuführen. Wie das bleibt dem einzelnen überlassen. Im Hintergrund droht die Gestapo .

1

,, Ich habe Familie. Ich muß den Befehl ausführen, sonst Langsam schläft das Gewissen ein. Das gute Beispiel fehlt, der schlech­ten gibt es viele. Wer denkt noch selbständig, wenn in der Zeitung und im Radio nur noch das ,, Für" und nicht mehr das ,, Wider" gebracht wird? Wer hat noch die Kraft zur Unterscheidung?

Der Wirrwarr in den Köpfen ist ebenso groß wie das Durcheinander auf jeder Dienststelle, in den Behörden und Anstalten. Doch alles ist überdeckt vom Drill. Hände an die Hosennaht! Befehl ausgeführt! Die Straße ist frei; hier herrscht Ruhe und Ordnung.

Die Brücken und Gänge im Zuchthaus liegen verlassen da. Die Gefan­genen gleiten wie Schemen darüber. Wesenlos, entpersönlicht. Ihre Sprache ist das Klappern der Holzpantinen. Die Antwort der Grünen ist Schlüsselgerassel.

Die Holzpantinen klappern schon einen weiten Weg. Nie kommen sie weiter als bis zur Tür der Zelle. Dort ist Anfang und Ende. Die Tür hat keinen Griff, nur der lange Schlüssel des Grünen kann sie öffnen. Die Schatten gleiten hinein.

Die Schatten sind Menschen. In der Zelle brodelt das Leben. Da sitzen sie eingesperrt. Allein, zu dreien und mehr, oft bis zu hundert auf dem Gemeinschaftssaal. Nie zu zweien. Für alles ist gesorgt! Alles ist be­dacht auch das Triebleben der Gefangenen. Und damit ist alles ge­schehen. Sie glauben, daß diese vorbeugende Maßnahme jede Ausschrei­tung unterbinden wird.

Die Nacht aber ist lang. Über dem vergitterten Fenster ist schwarzes Papier. Für zehn Stunden ist es dunkel!

Wie erfüllt die Zelle von Angst, Sehnsucht und Hoffnung ist! Angst vor der Verlassenheit der Nacht, Sehnsucht nach Licht und Wärme, Hoff­nung auf den Tag, der den Bann sprengen wird.

Doch die Hoffnung wohnt draußen. Der Tag bricht an, und das Licht, das durch die Scheiben dringt, ist ebenso trübe wie am Tage zuvor.

Nur die Klappe an der Tür knackt leise. Das Auge" beginnt zu wachen. Es ist hell in der Zelle. Die Männer waschen sich. Sie sitzen auf

92

dem

sich

D

sagt

M

ᎠᎴ

Da

ba

K

B

Zu

Dann

Es

sind werk

blätte

ab. S sich

träum

Karto

vor N

Si

sie n Tüten

Arbei

A

Ne

gefüg

,, V

der G

Vi dabei

mal

.rübe.

W

Stück

Ich Bunke

in der

Ab