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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Bespitzelung der Gefangenen vollkommen. Einer mißtraut dem anderen. Nur unter Freunden noch halbgeflüsterte Worte hinter der vorgehaltenen Hand.

Und dann der Kalfaktor! Er teilt den Gefangenen das Essen aus und steht zur persönlichen Verfügung des Wachtmeisters.

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,, Wir ziehen sie uns mit Zuckerbrot und Peitsche!" sagen die Grünen. Das Zuckerbrot sind die doppelten Portionen, das Dicke unten im Eimer. Die Peitsche sind die Flüche und Drohungen, wenn die Kalfaktoren und Stubenältesten nicht Ruhe und Ordnung unter den Gefangenen halten.

Das Zuckerbrot ist die Macht über wehrlose Gefangene! Die Peitsche ist die Angst, den einmal eroberten Posten wieder zu verlieren und in das Heer der Namenlosen zurückgestoßen zu werden.

Die Wachtmeister sind die Vertreter des Herrenvolks. Ihre Macht über die Gefangenen ist beinahe unbegrenzt. Zwar hat der Gefangene die Mög­lichkeit, sich zu beschweren. Doch alle Bitten und Beschwerden führen über den ,, Antrag". Der Antrag ist ein Lappen Papier , ein Formular. Erst müssen sie den Kalfaktor um Aushändigung dieses Formulares bitten. Der Gefangene schreibt seinen Antrag. Wird aber der Kalfaktor ihn weiter­leiten an den Grünen? Und was sagt der Wachtmeister?

,, Keine Zeit! Keine Zeit!"

Oder der Vorrat an Formularen auf der Station ist gerade erschöpft. Alles zieht sich über Tage und Wochen hin. Der Gefangene hat das Warten gelernt.

,, Wie? Eine Beschwerde?" Sie wandert in die Schublade des Schreib­tisches auf der Station. Da bleibt sie liegen.

Oder eine Bitte? Etwa ein Gnadengesuch? ,, Das hat Zeit! Wenn wir alle so könnten, wie wir wollten

Gibt es nur schlechte Wachtmeister? Schlecht?

Sie nutzen nur, wie alle primitiven Wesen, ihre Macht über Wehrlosę. Sie erfüllen nebenbei noch recht und schlecht ihre Pflicht. Oft fluchen sie, und manchmal sind sie gutmütig. Sie sehen in bleiche, ausgemergelte Ge­sichter. Hände an der Hosennaht

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Wehrlosigkeit reizt.

Und dann die Sadisten. Warum sie es wurden? Oft sind es die vom Leben Enterbten. Hier können sie quälen und peinigen. Sie können Rache nehmen für ein verpfuschtes Leben. Sie selbst haben es nur bis zum Hilfs­wachtmeister gebracht, aber der ehemalige Rechtsanwalt steht vor ihnen

stramm.

Es gibt auch anständige Wachtmeister. Sie verbergen die Anständig­keit unter der rauhen Schale eines soldatischen Drills. Oder sie sind an­ständig aus Gleichgültigkeit.

,, Alles laufen lassen! Schimpfen strengt unnötig an. Laßt sie doch in der Zelle verrecken!"

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